vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus___24. September bis 19. November 2017

Die Ausstellung dokumentiert das Verhältnis der Stadt Rosenheim und einzelner Künstlerpersönlichkeiten zum Kunst- und Kulturgeschehen des „Dritten Reiches“. Im Fokus stehen dabei neben dem Bau des Galeriegebäudes im Jahr 1937 und den Bestrebungen des Kunstvereins in erster Linie die individuellen Entwicklungslinien einzelner Rosenheimer Künstlerpersönlichkeiten. Um ein tieferes Verständnis der kunst- und kulturpolitischen Entwicklung Rosenheims zu ermöglichen, werden indes auch die (lokalen) künstlerischen Strömungen und Entwicklungen vor 1933 sowie die Kunst der Nachkriegszeit einen essentiellen Teil der Ausstellung bilden.

Galerieeröffnung mit Gauleiter Adolf Wagner, 1937, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Galerieeröffnung mit Gauleiter Adolf Wagner, 1937, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Projektskizze, Architekt German Bestelmeyer, 1934, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Projektskizze, Architekt German Bestelmeyer, 1934, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Luftbildaufnahme Galerie und Archiv, 1957, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Luftbildaufnahme Galerie und Archiv, 1957, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Am 29. August 1937, nur wenige Wochen nach der Einweihung des „Haus der Deutschen Kunst“ in der „Hauptstadt der Deutschen Kunst“ und „Hauptstadt der Bewegung“ München, erfolgte die feierliche Eröffnung der Städtischen Gemäldegalerie in Rosenheim. In seiner Festrede hob Gauleiter Adolf Wagner hervor, dass Rosenheim „die Stadt des Traditionsgaues ist, die als erste im ganzen Land nach der Machtergreifung aus eigener Kraft ein solches Kunstgebäude errichtet hat“. Diese markante kulturpolitische Bestrebung der Stadt Rosenheim war auch darin begründet, dass eine Vielzahl der Künstler, die zur Zeit des Dritten Reiches in und um Rosenheim ansässig waren, zu den meistausgestellten Künstlern auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München zählten – mit Hans Müller-Schnuttenbach und Anton Müller-Wischin (57 bzw. 50 Werke) befinden sich gleich zwei unter den reichsweiten „top five“, doch auch Constantin Gerhardinger war dort mit insgesamt 25 Exponaten vertreten (www.gdk-research.de).

 

Diese weit überdurchschnittliche Präsenz von Künstlern aus dem Rosenheimer Raum, die in der Regel Landschaften, Blumenstillleben und Bauernsujets malten und diese in großer Zahl in der zentralen jährlichen Leistungsschau des „Dritten Reiches“ ausstellten, ist erklärungsbedürftig. Inwiefern schufen gerade sie jene künstlerischen „Höchstleistungen“, so der Katalog von 1937, die „Ausdruck verleihen der Größe der aus Blut und Boden, aus nationalsozialistischer Haltung und Weltanschauung geborenen neuen Zeit“?

 
Die Ausstellungskonzeption (Kurator Felix Steffan) entstand auf Grundlage einer Kooperation der Städtischen Galerie Rosenheim mit einem Veranstaltungszyklus am Institut für Kunstgeschichte der LMU München unter der Leitung von PD Dr. Christian Fuhrmeister. Zur Ausstellung wird ein substantieller Katalog erscheinen, der die Exponate aus dem rund 5000 Werke umfassenden Bestand der Galerie (um sehr wenige Leihgaben ergänzt) dokumentiert und erläutert. Der Katalog wird dankenswerterweise gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung.