vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus ___ 24. September bis 19. November 2017

Die Ausstellung dokumentiert das Verhältnis der Stadt Rosenheim und der regionalen Künstler zum Kunst- und Kulturgeschehen des „Dritten Reiches“. Im Fokus steht dabei neben dem Bau des Galeriegebäudes ab 1935 und der Geschichte des Rosenheimer Kunstvereins in erster Linie der Werdegang einzelner Künstlerpersönlichkeiten aus dem Rosenheimer Raum.

Hans Müller Schnuttenbach, Winter in Törwang, 1943

Hans Müller Schnuttenbach, Winter in Törwang, 1943

Städtische Gemäldegalerie von Gauleiter Adolf Wagner eröffnet, 1937, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Städtische Gemäldegalerie von Gauleiter Adolf Wagner eröffnet, 1937, Repro (c) Stadtarchiv Rosenheim

Otto Pippel, Odeonsplatz, 1934

Otto Pippel, Odeonsplatz, 1934

Am 29. August 1937, nur wenige Wochen nach der Einweihung des „Hauses der Deutschen Kunst“ in München, erfolgte die feierliche Eröffnung der Städtischen Gemäldegalerie in Rosenheim. In seiner Festrede hob Gauleiter Adolf Wagner propagandistisch hervor, dass Rosenheim „die Stadt des Traditionsgaues ist, die als erste im ganzen Land nach der Machtergreifung aus eigener Kraft ein solches Kunstgebäude errichtet hat“.

Zum 80-jährigen Bestehen des im Sommer 1937 eröffneten Gebäudes präsentiert die Städtische Galerie Rosenheim mit „vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus“ erstmalig in der Geschichte des Hauses eine Ausstellung über die Zeit des „Dritten Reiches“ und deren entscheidende Bedeutung für die Entwicklung der Rosenheimer Kunstsammlung. Sie stellt dar, welche zentrale Rolle die voralpinen Sujets des Inntals, Chiemgaus und Mangfallgaus für das Kunstverständnis der Nationalsozialisten spielten und welche Bedeutung dies für die Entwicklung der Kulturlandschaft Rosenheims hatte.

Da die persönliche künstlerische Vorliebe des Rosenheimer Sammlungsstifters Max Bram (1855–1935) auch den bevorzugten Sujets der Nationalsozialisten entsprach, entwickelte sich Rosenheim als „kleine Schwester“ Münchens zu einem Schmelzziegel der Kunstvorstellungen des NS-Staates. Durch die im Jahr 2011 veröffentlichte Bild- und Forschungsdatenbank GDK-Research (www.gdk-research.de) wissen wir heute, dass die Kunstschaffenden aus dem Rosenheimer Raum zu den meistausgestellten Künstlern auf den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ in München gehörten. Viele von ihnen, wie Hans Müller-Schnuttenbach, Anton Müller-Wischin oder Constantin Gerhardinger, sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Das wirft eine Vielzahl von Fragen auf, deren Bearbeitung und Beantwortung von der Rosenheimer Ausstellung schlaglichtartig geleistet werden soll.

Die Ausstellungskonzeption von Felix Steffan M.A. wurde von einem Veranstaltungszyklus am Institut für Kunstgeschichte der LMU München unter der Leitung von PD Dr. Christian Fuhrmeister begleitet. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der ein breites Spektrum an Beiträgen von Studierenden der Kunstgeschichte einerseits und fachlichen Experten andererseits umfasst und eine Überschau des Themenkomplexes Kunst und Nationalsozialismus in Rosenheim liefert. Die Erstellung des Kataloges wurde dankenswerterweise von der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

HINWEIS:Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte bietet in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg und der Städtischen Galerie Rosenheim ein wissenschaftliches Kolloquiums an. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.zikg.eu/veranstaltungen/2017/ns-kunst_zeigen/.

Weitere Informationen:  https://www.vvv-guide.de/
Die Webseite (Konzeption und Ausführung: Franziska Koschei, Magdalena Becker) ist im Rahmen des Seminars "Rosenheimer Künstler im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit" (Sommersemester 2016 bis Sommersemester 2017) unter der Leitung von Dr. Fuhrmeister entstanden und begleitet die Ausstellung "vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus".