Ovis Wende, "Diameter", 1993

Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand
Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand

 Ausgeschrieben waren vier Bereiche, darunter auch dieser Teil des Campus auf dem Südgelände. Unter acht Vorschlägen der geladenen 20 Künstler konnte sich der damals in München lebende Bildhauer Ovis Wende durchsetzen.
Die Skulptur überzeugte durch ihre passende Formensprache. Es handelt sich um die Abwicklung einer dorischen Säule in Bronze, die von einem Edelstahlzylinder der Neuzeit durchdrungen wird. Der leichte Wasserstrom, der sanft über den Zylinder fließt, soll den lebendigen Zusammenhang der beiden Zeiten darstellen. Der Standort gegenüber der Fakultät für Innenarchitektur erscheint ideal: Wo sonst könnte das Zusammenspiel von alter Architektur und technischer Neuzeit besser passen? Die Botschaft des Brunnens ist weitaus mehr als nur ein bisschen „Geplätscher“. Er soll daran erinnern, dass alles, was in der Zukunft des technischen Zeitalters entsteht, seinen Anfang in der Vergangenheit hat. Das Ablösen der Geometrie einer antiken Säule von der Präzision des Zylinders steht für die Verbindung von Vergangenheit und Fortschritt.
Die Skulptur ist als diagonale Orientierung im Straßenraum für Passanten, Studenten, Professoren und Dozenten positioniert und wird wahrgenommen wie ein lange bekannter Begleiter. Dieser Eindruck der Vertrautheit hängt damit zusammen, dass die antike Bronze durch die Witterung natürlich „altert“. Die Einwirkung des Wassers, die Oxidation sowie das allmähliche Vermoosen und Verkalken verbinden die Teile zu einem Ganzen und erschaffen – ähnlich den künstlich verwilderten Brunnen der Romantik – ein Zitat, das die weit zurückliegende Antike anschaulich werden lässt.      Der rostfreie, glänzend-geschliffene Edelstahlzylinder jedoch wirkt inzwischen durch die Witterungseinflüsse matt und verschmutzt, sodass der Brunnen nicht in seinem alten Materialgegensatz strahlen kann. Mit etwas Pflege und einem kleinen Hinweis auf Künstler und Werk ließe sich dieses Objekt noch leichter verständlich machen.

Der Künstler:

Ovis Wende wurde 1952 in Würzburg geboren. 1973 bis 1977 studierte er Kunstgeschichte, Germanistik und Italienisch an der LMU München sowie Kunst bei Professor Seitz an der Akademie in München. Seitdem zahlreiche Skulpturen und konzeptionelle Arbeiten im öffentlichen Raum. 1988 „Karl- Hofer-Preis“ der Hochschule der Künste in Berlin. 1990 bis 1991 Gastdozent an der Hochschule der Künste in Berlin, seit 1995/96 am Architektur-Lehrstuhl der TU München. 1993 Förderpreis der Mathias-Pschorr-Stiftung. Seit 1999 ist Ovis Professor für Kunst im öffentlichen Raum und Szenografie an der FH Dortmund.

Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand
Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand
Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand
Ovis Wende, "Diameter", Brunnen aus Bronze und Edelstahl, 1993, Foto (c) Martin Weiand

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Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", 2005

Rudl Endriß, "Mit leichter Hand" + "Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand

Wie zahlreiche figürliche Arbeiten von Rudl Endriß sind es aus Stahlblech ausgeschnittene Silhouetten. Sie scheinen die Lebensfreude des Künstlers auszustrahlen, der seit seiner Jugend das Ballett und die harmonisch fließenden, kraftvollen Bewegungen der Tänzer liebt. Die rote Farbe „RAL 3000“ ist als das leuchtendste Rot bekannt und auch bei schlechten Wetterverhältnissen von weitem deutlich erkennbar.
Diese Objekte, die im hektischen Alltag als beliebter Treffpunkt sowohl von Studenten als auch von Professoren genutzt werden, vermögen die Kraft, Harmonie und das nötige Durchhaltevermögen ihrer in Stein und Stahl festgehaltenen Seelen an ihre Besucher jeden Tag weiterzugeben. Die dazugehörigen vandalensicheren Steinbänke laden im Sommer zum Verweilen ein und geben Studenten wie Professoren Raum, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. An der Front und den Rückseiten der Kalksteinstelen findet man die in den Stein gravierten und ebenfalls in Rot gefassten Inschriften wie „Auf den Kopf stellen“, „Mit leichter Hand“ und auch „Die Seele baumeln lassen“.
Der knappe, aber ausdrucksstarke Text nimmt Bezug auf das Leben der Hochschulangehörigen. Er er- mahnt sie, sich auch einmal einige Zeit Ruhe zu gönnen, um den Dingen auf den
Grund zu gehen, sie gedanklich zu hinterfragen und auf den Kopf zu stellen. Nicht selten entstehen auf diesen Bänken auch neue Entwurfsideen der Innenarchitekturstudenten, welche dort sitzend „mit leichter Hand“ Ideen skizzieren oder einfach ihre „Seele baumeln lassen“.

Der Künstler:

Rudl Endriß wurde 1943 in München geboren. 1963 bis 1974 Studium der Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule München und Studium der Naturwissenschaften und Kunst an der Universität München. Seit Mitte der 60-er Jahre freie künstlerische Arbeit, außerdem 1970 bis 1987 Lehrer an der Staatlichen Fachlehrerausbildung in München-Ramersdorf, 1986-1992 Vorsitzender des Wasserburger Kunstvereins „AK 68“, 1986 bis 1995 Ausstellungsgestaltung für das Haus der Bayerischen Geschichte, 1987 bis 2006 Akademischer Direktor im Fachbereich Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim, 1993 Schlaganfall, ab 1994 weiterhin künstlerisch tätig mit zahlreichen Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum.

 

 

Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Mit leichter Hand"+"Auf den Kopf stellen", Rote Stahlfiguren, 2005, Foto (c) Martin Weiand

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Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", 2008

Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand
Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand

Das Kunstwerk aus fünf großen Doppelobjekten erstreckt sich über etwa 100 Meter entlang des jüngsten Neubaus der Hochschule. Die Arbeit wurde im Rahmen eines Ideenwettbewerbes 2006 für die Realisierung ausgewählt. Vorausgegangen war die Ausschreibung für „Kunst am Bau“ im Rahmen der baulichen Erweiterung der Hochschule für die Fachbereiche Holztechnik und Betriebswirtschaft.
Mit seinem Entwurf reagierte der Augsburger Künstler Klaus Goth auf die Architektur des Neubaus. Die äußere Form des Gebäudes sollte mit den Objekten eine Einheit bilden. Die Materialauswahl war bedingt durch die Vorgaben der Auslobung, die verbindlich festgelegt hatte, dass die Kunstobjekte aus Holz gefertigt werden sollten. Goth, der häufig Stein und Bronze, Stein und Stahl oder Corten- Stahl und Edelstahl kombiniert, wählte für das Rosenheimer Werk eine Verbindung von Schichtholz mit Corten-Stahl, das ist die Handelsbezeichnung für wetterfesten Baustahl. Die Abfolge der knapp neun Meter hohen Skulpturenstrahlt eine gewisse Ruhe und Gleichmäßigkeit aus. Es sind fünf vierkantige Objektpaare aus einem Stahlsockel und einem Aufbau aus „Kerto- Schichtholz“, also Furnierschichtholz aus wetterfest mit Phenolharz verleimten Nadelholz-Schälfurnieren. Die Material-Proportionen der einzelnen Objekte verändern sich von Station zu Station. So verfügt das linke Objektpaar über einen hohen Holzanteil, der sich in der Abfolge der Skulpturen immer mehr verringert. Im Entwurf erkennt man die logische Veränderung entlang einer fiktiven Diagonale vom linken obersten Punkt der ersten Stele auf den rechten untersten Punkt der letzten Stele. Sowohl diese gegenläufige Entwicklung als auch die rhythmische Verbindung der Objektpaare untereinander erscheinen im zeichnerischen Entwurf als eine gut nachvollziehbare ästhetische Idee. In der Realität setzt sie  einen großen Mindestabstand zum Betrachter voraus. Tatsächlich erschließen sich die Zusammenhänge im ausgeführten Werk nicht. In der Enge der kleinen Straße ergibt sich lediglich der Eindruck einzelner schräger Materialkolosse, denen zudem die Verwitterung sichtlich zusetzt. Gilt rostender Stahl in seinen leuchtenden Rotbrauntönen als allgemein akzeptierte künstlerische Oberfläche, so wirkt das regenfleckige Schichtholz im Außenbereich vorwiegend ungepflegt und spricht damit wenigerfür den Werkstoff Holz, der für die Hochschule insgesamt eine so wesentliche Rolle spielt.

Der Künstler:

Klaus Goth: 1954 in Oberkirch/ Ortenaukreis geboren. Fachhochschule Gestaltung bei Professor Georg Bernhard. 1978 Grafiker im Stadtplanungsamt der Stadt Augsburg. Ab 1979 freiberuflich künstlerisch tätig (vor allem Kunst am Bau).

 

Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand
Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand
Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand
Klaus Goth, "Rhythmische Folge von Zeichen", Stahl und Schichtholz, 2008, Foto (c) Martin Weiand

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Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, Zwei liegende Stammhälften, 2007

Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand

Sein Entwurfskonzept bestand aus zwei Skulpturengruppen. Für die erste, „Vier Stelen“, wählte er den Platz zwischen den beiden Neubauten. Sein zweiter Beitrag „Zwei liegende Stammhälften“ fand seinen Standort vor dem „S-Bau“ an der Westerndorfer Straße. Beide Objekte sind aus derselben etwa 150 bis 200 Jahre alten Eiche gefertigt: die Stelen aus den Ästen des Stammes, die Hälften aus dem gespaltenen Stamm. Die Schwärzung erfolgt durch eine von Angerer seit vielen Jahren angewandte Bearbeitung der Holzstämme mit dem Brenner. Bei Dunkelheit werden beide Kunstwerke durch spezielle LED-Leuchten angestrahlt, wobei das weiße und blaue Streiflicht Luft und Wasser symbolisieren. Jede seiner Arbeiten ist in Form und Aussehen individuell, weil Angerer bei der Formgebung und Gestaltung grundsätzlich den naturgegebenen Eigenschaften und  Strukturen des Stammes folgt. Wie in fast allen seinen Holzskulpturen verfremdet er dann jedoch das Holz durch die Schwärzung. Die Rillung der Oberfläche mit Quer- und Längslamellen steht hier am Fachbereich für Holztechnik geradezu symbolisch für die unterschiedlichste Bearbeitung von Längs-, Quer- und Hirnholz. Es entstehen dabei landschaftliche Strukturen wie Gebirgszüge, Tiefseegräben und Schichtungen. Die Gruppe der „Vier Stelen“ soll anregen zu einem Miteinander unter Studenten, Lehrenden und Mitarbeitern und zum Austausch der Fakultäten untereinander.
Aus jeder Perspektive ergibt sich eine eigene, neue Komposition. Trotz ihrer großen Höhe wirken die Stelen zerbrechlich und figürlich. Ihre Befestigung erfolgte durch im Holz verankerte Sockel und Stahlschrauben. Die bewusste Sichtbarkeit der Schrauben führt der Künstler symbolisch auf die Verankerung der Menschen in ihrer Umgebung zurück. Angerers liegende Skulptur aus den Stammhälften findet sich in unmittelbarer Nähe vor dem Gebäude etwas oberhalb der Westerndorfer Straße gelegen.
Wie bei den „Vier Stelen“ wird der Kern des Holzes sichtbar gemacht. Die Hälften liegen schräg, Rücken an Rücken, auf einem 50 Zentimeter hohen Kubus aus Stahl auf und sind in Richtung der Längsachse leicht gegeneinander verschoben. Bewusst verfremdet Angerer so den Stamm in seiner natürlichen Form, indem er die Hälften umgedreht und versetzt aneinanderfügt. Gezielt verstärkte er bei der Bearbeitung des Materials die Wölbung und Aushöhlung der Stammhälften, die im übertragenen Sinn für das Positive und Negative im Leben verstanden werden können. Inspirieren ließ sich Angerer durch die Umgebung. Die liegende Skulptur dokumentiert das Geerdete und Archaische und nimmt in Form und Gestalt Bezug auf die Architektur. Bei beiden Stammhälften findet sich die Grundform der Dächer der beiden Neubauten wieder. Das geschwärzte Holz, das neben der künstlerischen Wirkung zu einer besseren Haltbarkeit zum Beispiel gegen Pilzbefall führt, entfaltet durch Wärme und Trockenheit eine besonders anziehende Wirkung auf einige Ameisenkolonien, die in den Stamm eingezogen sind und den in Kauf genommenen natürlichen Verfall der Skulptur ankurbeln.

Der Künstler:

Franz Xaver Angerer wurde 1953 in Hammer bei Siegsdorf geboren. Nach einer Lehre als Maschinenbauer entstanden ab 1968 erste Arbeiten wie Metallplastiken und Objekte, seit 1987 arbeitet Angerer als freischaffender Bildhauer, unter anderem für Kunst am Bau. Seine bevorzugten Materialien sind Holz und Stahl. Heute lebt Angerer in Inzell und führt in Hammer bei Siegsdorf mit seiner Frau die Galerie „Kunstgetriebe“.

 

 

Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, zwei liegende Stammhälften, Eiche,Stahl und Leuchten, 2007, Foto (c) Martin Weiand

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Karin Hazelwander, "Warpl4", 2007

Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand

Im Jahr 1997 bei der österreichischen Künstlerin Karin Hazelwander in Auftrag gegeben, steht das Objekt seit 1998 auf der Rückseite des R-Baues der Hochschule Rosenheim. Es besteht aus 81 dreikantigen Aluminiumsäulen auf einem Dreiecksgrundriss, gruppiert in drei 27er-Gruppen, ebenfalls in einer Dreiecksanordnung. Bei diesem Arrangement spricht man von einem fraktal aufgelösten Dreieck. Jede Säule ist 243 Zentimeter lang. Jede der drei Zetimeter breiten Kanten ist mit einzelnen, unterschiedlich großen Pixelquadraten bemalt.
Aus ihrer Summe ergibt sich auf jeder Seite ein Bild, welches in einem Abstand von mindestens fünf Metern zu erkennen ist. Die drei Motive sind ein Männerkopf mittleren Alters, ein zur Seite geneigter Frauenkopf im Stil eines 60er-Jahre-Pin-up-Girls sowie eine Kugel mit einer Formel. Nur diese zeigt sich dem Vorbeilaufenden auf dem schmalen Pflasterweg zum nächsten Gebäude von der Ansichtsseite. Das kopfstehende Delta heißt ‚nabla' und findet sich in der Formel ‚nabla' x B = 0 aus der Vektoranalysis, die in der Elektrodynamik ihre Hauptverwendung findet.
Dies wäre ein möglicher Bezug zum Gebäude und zur Studienrichtung der Elektrotechnik. Die anderen beiden Darstellungen weisen keinen erkennbaren Zusammenhang auf. Das Frauenmotiv, irritiert von einem davor gepflanzten Baum, ist dem Hinterausgang des Gebäudes nicht frontal zugewandt. Der Männerkopf auf der dritten Seite zeigt in Richtung des erst nachträglich angelegten Schotterplatzes und dem dazugehörigen Weg – jedoch ebenfalls nicht frontal.
Daher ergibt sich die Frage, ob die Skulptur sinnvoll platziert ist und über ihren optischen Effekt hinaus dem Areal einen Mehrwert verschafft. Ihr desolater Zustand mit witterungsbedingten Lackabsplitterungen sowie fehlenden und aus der Verankerung gehakten Stäben spricht dagegen. Eine Aufstellung im Innenraum mit ein paar ergänzenden Hinweisen wäre der Erhaltung als auch der Akzeptanz des knapp 50 000 Euro teuren Objekts sicher förderlicher.

Die Künstlerin:

Karin Hazelwander wurde 1953 in Österreich geboren. Sie studierte an der Accademia di Belle Arti in Mailand und beschäftigte sich anschließend mit Tanztheater und Screendesign.

 

 

Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand
Karin Hazelwander, "Warpl4", Aluminiumsäulen, 2007, Foto (c) Martin Weiand

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Mathias Lanfer, Ohne Titel, 1998

Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand
Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand

Schon aus der Ferne fällt das Objekt auf, und doch muss man sich fragen, was genau man da eigentlich sieht. Es gleicht einem abgeschnittenen, überdimensionalen liegenden Rohr, das mit seiner Spitze direkt auf einen Eingang zeigt und dessen Schnittkante so präzise der Wegführung des kleinen Vorplatzes folgt, dass kein Zweifel daran aufkommt, wohin man sich wenden muss.


1998 gewann der aus Südlohn in Westfalen stammende Künstler Mathias Lanfer mit seinem Entwurf für diese Arbeit einen vom Staatlichen Hochbauamt Rosenheim ausgeschriebenen Wettbewerb für eine skulpturale Platzgestaltung an der Fachhochschule Rosenheim im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik/Elektrotechnik. Seither bildet das 4,45 Tonnen schwere Objekt den zentralen Punkt des leicht abseits gelegenen Vorplatzes. Mathias Lanfer bediente sich für die Wirkung des Objekts der Längenanamorphose Anders als bei der Anamorphose, welche eine Technik in der Malerei darstellt, bei der ein Bild nur aus einem bestimmten Blickwinkel oder durch einen Spiegel erkennbar wird, bedarf es hier keinerlei Hilfsmittel, um das Objekt durch Änderung des Standortes scheinbar in die Länge zu ziehen und immer mehr zu verzerren (eine anschauliche Animation zu einem vergleichbaren Projekt bietet der Link: http://www.mathias-lanfer.de/Lanfer_Garchingen_ Echo_Online.pdf). Die Rippen, die von vorn betrachtet an einen Elektromotor denken lassen, der seine Wärme von innen nach außen abgibt, verwandeln sich beim Herumgehen in horizontale Strahlen, die sich immer schneller zu bewegen scheinen und so die Übertragung von Informationen in einem Kabel darstellen sollen. Aufgrund dieser sich eröffnenden Dynamik wird man sich der Länge von 11,6 Metern erst jetzt wirklich bewusst – wirkt die Spitze der Skulptur doch so, als wolle sie in eine gefühlte Unendlichkeit streben. Die Horizontalität fügt sich gleichwohl sehr gut in die Umgebung ein, da Mathias Lanfer zusätzlich auch auf das sechs Jahre zuvor erbaute Gebäude eingeht, dessen Fassade horizontale Aluminiumstreben aufweist. Dies bestärkt den Eindruck der Geschwindigkeit, die die Skulptur darstellen will, steckte doch die Welt des Computers damals noch in den Kinderschuhen, und die Schnelligkeit von Datenübertragungen war noch nicht fassbar zu begreifen.


So ruht nun die Skulptur an ihrem in die Umgebung perfekt eingepassten Ort und mimt einen rotierenden Motor, der in verzerrender Lichtgeschwindigkeit bis in die unendliche Ewigkeit des Raumes hineinstrebt. Sicher kein Einzelfall sind die Umstände der Entstehung eines so aufwändigen Objekts. Da das Honorar nur einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtkosten betragen durfte, hatte der noch unerfahrene Künstler eine Halbierung des vorgesehenen Preises zugunsten einer weiteren Arbeit vorgeschlagen.
Bei den Herstellungskosten waren unter anderem 4,5 Tonnen Aluminium einzuplanen. Hinzu kamen Anteile im fünfstelligen Bereich an einer Matrize, die die Gussfirma später einschmolz, ohne den Künstler gefragt zu haben. Beim Fundament und der Aufstellung kamen unerwartet die Kosten für die Berechnung und Abrundung der von den Auftraggebern als zu spitz empfundenen Spitze hinzu. Auf einem geänderten Zufahrtsweg war ein schwerer Kran einzusetzen. Die Nutzung dieses pro Stunde fast 1000 Mark teuren Fahrzeugs verlängerte sich erheblich, weil in dem von Lanfer mit höchster Präzision und nach genauester Beton-Norm vorgegebenem Fundament lediglich sechs von 18 Befestigungen passend eingefügt waren. Und schließlich entstanden Kosten für ein Gutachten, das nachweisen musste, dass die Skulptur trotz der formalen Erinnerung an eine Orgelpfeife bei Wind keine störenden Geräusche erzeugt. Zusammen mit den Gebühren für einen Kredit, ohne den der junge Lanfer diese Summen nicht hätte vorschießen können, übertrafen letztendlich die Unkosten das Honorar.


Dennoch: der Aufwand hat sich gelohnt, wurde doch das Potenzial eines Bildhauers – noch jung, wenig bekannt und von auswärts – erkannt und eine im wahrsten Sinne wegweisende und außergewöhnliche Arbeit ausgewählt, die eine große Anziehungskraft besitzt, ihrer Zeit vorauseilt und wie kaum eine andere auf ihren Standort eingeht.

Der Künstler:

Mathias Lanfer wurde 1961 in Südlohn, Westfalen, geboren und lebt und arbeitet heute in Heiligenhaus bei Düsseldorf. Er absolvierte eine Ausbildung zum Konstruktionszeichner und ein Designstudium und studierte anschließend Malerei in Maastricht sowie Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Es folgten Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen sowie eine intensive Beschäftigung mit thermoplastischen Formgebungen. Lanfer gewann zahlreiche Wettbewerbe (z.B. 2010 „Urban Heroes“, Ruhr 2010, Stadt Heiligenhaus, HSNR Krefeld, FB Design, „Expedition“, Hochschule Kempten, Kunst am Bau, und 2011 „Genius a“, Hochschule für Musik Karlsruhe, Kunst am Bau), Stipendien (zum Beispiel 1991 Reisestipendium, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, 1999 Akademie der Künste Berlin) und Projektförderungen (zum Beispiel 1992 Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf).

 

 

Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand
Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand
Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand
Mathias Lanfer, Ohne Titel, Objekt mit Aluminiumlegierung, 1998, Foto (c) Martin Weiand

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Rudl Endriß, "Wortsteine", 1999

Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand

Rudl Endriß wurde 1987 als Dozent für das Wahlpflichtfach „Plastisches Gestalten“ an den Fachbereich Innenarchitektur berufen. Im Zuge dieses Lehrauftrages entstanden gemeinsam mit den Studenten zahlreiche Ausstellungen auf dem Campus der Hochschule. Ein Schlaganfall im Jahre 1993 führte zum Verlust der Sprache und schränkte Rudl Endriß' Bewegungsfähigkeit ein. Dies dauert bis heute an. Dennoch stellte er sich auf die neuen Herausforderungen ein und nahm seine Arbeit als freischaffender Künstler und aktiver Bildhauer wieder auf. Bis 2006 führte er auch seine Lehrtätigkeit an der Fachhochschule fort. Mit Hilfe von Wörterbüchern erlernte er die Sprache neu und ließ seinen Umgang damit auch in seine Werke mit einfließen.


Sie begeistern durch den gekonnten und präzisen Umgang mit dem Material und durch ihre oft großen Formate, regen die Gedanken der Betrachter an und erweitern die Wahrnehmung. Aus Dank für die Freude und Lebenslust, die ihm die Arbeit an der Fakultät für Innenarchitektur gaben, schenkte Rudl Endriß im Jahre 1999 sechs Werke aus der Serie „Wortsteine“ der Hochschule Rosenheim und setzt damit Akzente auf dem Campus.


Zwei Granitblöcke auf verwitterten Stahlblechen wurden in Absprache mit dem damaligen Präsidenten der Hochschule Rosenheim, Professor Hans Zahn, an der Ostfassade des E-Gebäudes aufgestellt, vier weitere an der Westfassade. Die sechs teilweise aus mehreren Einzelteilen komponierten Skulpturen bestehen aus Granit in verschiedenen Farbtönen von rosé und beige über hellgrau bis schwarz und haben teils raue oder geschliffene Oberflächen. Als Formen verwendete Endriß Stelen oder Quader. Sie zeigen – passend zum Aufstellungsort – einen deutlichen Bezug zur Architektur.


Einige erinnern durch ihre Schichtung an Hochhäuser, andere weisen mit ihrer paarweisen Aufstellung und der Satteldachform Charakteristika der deutschen Doppelhaushälfte auf. In die polierten Front- und manchmal auch Seitenflächen gravierte der Bildhauer in alphabetischer Anordnung unterschiedliche Wortzusammensetzungen der verschiedenen Grundbegriffe Leben, Denken, Weg, Stein, Zeit und Liebe. Endriß regt die Betrachter an, sich einzelner Komponenten der Worte bewusst zu werden, damit zu spielen und tief in die vielschichtigen Bedeutungsebenen der Sprache einzudringen. Rudl Endriß schafft durch seine Werke Stationen entlang der Verkehrswege, die zum gemeinsamen Fantasieren und Philosophieren einladen. Sie ermuntern zum Innehalten im stressbeladenen Alltag und zur Besinnung auf das Wesentliche im Leben: die Kommunikation und den Austausch mit sich selbst und seiner Umwelt.

Der Künstler:

Rudl Endriss wurde 1943 in München geboren. 1963 bis 1974 Studium der Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule München und Studium der Naturwissenschaften und Kunst an der Universität München. Seit Mitte der 60-er Jahre freie künstlerische Arbeit, außerdem 1970 bis 1987 Lehrer an der Staatlichen Fachlehrerausbildung in München-Ramersdorf, 1986-1992 Vorsitzender des Wasserburger Kunstvereins „AK 68“, 1986 bis 1995 Ausstellungsgestaltung für das Haus der Bayerischen Geschichte, 1987 bis 2006 Akademischer Direktor im Fachbereich Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim, 1993 Schlaganfall, ab 1994 weiterhin künstlerisch tätig mit zahlreichen Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum.

 

 

 

 

Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand
Rudl Endriß, "Wortsteine", Granitsteine, 1999, Foto (c) Martin Weiand