Georg Trenz, "EIN-BLICK", 2005

Georg Trenz, "EIN-BLICK", Schriftzüge, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Georg Trenz, "EIN-BLICK", Schriftzüge, 2005, Foto (c) Martin Weiand

Im Zuge einer Sanierung des damaligen Kolpinghauses und der Umgestaltung in ein öffentliches Vereinshaus sollte es durch ein Kunstwerk „den Blick anziehen“, so beschreibt Georg Trenz die Aufgabe. Nach einem begrenzten Wettbewerb der Stadt Rosenheim, in dem eine Vorauswahl an Teilnehmern durch eine Jury beurteilt wurde, erhielt Georg Trenz den Auftrag. Dachte man ursprünglich an eine Arbeit mit Licht und Projektion in der Art, wie sie ihn – zumeist in Zusammenarbeit mit Detlef Hartung – bekannt gemacht hatte, fiel im Laufe der Planungen die Entscheidung zugunsten der festen Installation der Schrift.
Der konzeptübergreifende Hauptbegriff „BLICK“ verwehrt durch seinen Montageort im Lichthof eigentlich den Blick nach außen, gewährt aber dennoch durch die Transparenz eine Vermutung, was sich hinter den blau gefärbten Glasplatten befindet. Weil der Begriff in der Sprachkunde auch auf einen Lichtstrahl verweist, spielt das Sonnenlicht hier eine große Rolle. Deshalb erschließt sich dem Betrachter des Innenhofes als Erstes die Wortverknüpfung „LICHTBLICK“. Auch die anderen Begriffe, die sich an „BLICK“ andocken lassen, stehen in direkter Verbindung zu dem Ort, an dem sie sich befinden. Der „BLICK-KONTAKT“ zwischen zwei Menschen zum Beispiel ist an der Empfangstheke wesentlich. Das „BLICK-FELD“ erschließt sich dem Betrachter, wenn er im oberen Stockwerk aus dem Lichthof herausblickt. Der „BLICK-WECHSEL“ lässt die „BLICK-RICHTUNG“ von einem zum anderen Ende des langen Gangs wechseln, und der Zusammenhang zwischen Wort und Bild wird durch den „BLICK-WINKEL“, der sich einem Raumwinkel anschmiegt, am offensichtlichsten erklärt.


Weitere ergänzende Begriffe finden sich vor allem in den öffentlich zugänglichen Bereichen wie Treppenhaus, Durch- und Eingängen des Künstlerhofes, wobei sich in Richtung des Lichthofes mit dem Hauptbegriff „BLICK“ die anzufügenden Wörter häufen. Im Gegensatz zum „BLICK“ haben alle anderen Begriffe, um einen Unterschied in der Betonung zu erreichen, nur eine Höhe von 40 Zentimetern. Sie sind, mehr oder weniger auffällig, auf unterschiedlichsten Untergründen, in allen denkbaren Ebenen wie Decke, Wand, Boden und in variierenden Techniken angebracht. Während zum Beispiel der Schriftzug „-KONTAKT“ eine reine Blattvergoldung ist, die einen geschliffenen und durch einen bestimmten Anstrich verdichteten Putz als Untergrund voraussetzte, ist der „-WECHSEL“ durch eine Plotterfolie als Schablone mit einer Spezialkunststoffmasse als Glättetechnik aufgetragen. Kunst und Künstler haben oft den Anspruch zu provozieren und aufzufallen. In diesem Falle jedoch hat es Georg Trenz geschafft, die Schrift als Mittel für Kunst und Kommunikation in die Architektur einzubinden, ohne dass sie extrem ins Auge fällt. Über den „EIN-BLICK“ wurde noch wenig geschrieben, vielleicht gerade, weil der „EIN-BLICK“ ein allgemeinverständliches Kunstwerk ist.


Damit ist Georg Trenz sein Anliegen gelungen, dass die Worte in dem Sinne auf das Gebäude mit seinen Vereinen und Veranstaltungen einwirken sollen, dass sie auf Dauer ein Blick- Fang für Rosenheim werden und sich geschriebene Augen- Blicke erübrigen.

 

 

Der Künstler:

Georg Trenz, geboren 1962 in München, lebt heute in Eichenau. 1982 bis 1986 Studium Künstlerisch-ästhetisches Kommunikationsdesign an der Fachhochschule München, anschließend Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München, zuletzt als Meisterschüler bei Professor Berger. Seit 1999 Dozent für Gestaltungsgrundlagen an verschiedenen städtischen Meister und Technikerschulen in München. Seit 1994 unter anderem für seine bundesweit gefragten Licht-Raum-Textprojektionen zahlreiche Auszeichnungen.

 

Georg Trenz, "EIN-BLICK", Schriftzüge, 2005, Foto (c) Martin Weiand
Georg Trenz, "EIN-BLICK", Schriftzüge, 2005, Foto (c) Martin Weiand