Inge Regnat-Ulner, "Eta", 1996

Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand
Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand

Dem Namen nach entspricht „Eta“ einer Buchstabenform aus dem griechischen Alphabet, das für viele der Arbeiten von Inge Regnat-Ulner der gedankliche Ausgangspunkt ist. Es ähnelt unserem „H“ und präsentiert sich so auch auf eine gewisse Weise, wenn man es aufklappen würde. „Als Träger und Vermittler von menschlicher Entwicklungsgeschichte hat das griechische Alphabet eine vielfältige Wandlung erfahren, aus der ich eines der Stadien für mich herausnahm“, erklärt die Künstlerin.
Seit dem neunten Jahrhundert vor Christus etwa wird die griechische Sprache auch geschrieben. Das 24-teilige Alphabet lieferte nicht nur Buchstaben. Jeder einzelne war zugleich mit einem numerischen Wert und auch mit einer Wortbedeutung belegt. Bei „Eta“ handelt es sich um den siebten Buchstaben mit einem numerischen Wert von acht. Übersetzt heißt es so viel wie „Gleichgewicht“. Auf der Bedeutungsebene findet man Auslegungen wie: „in Frieden mit der Welt sein, die Energie der Freude, Liebe, Musik der Sphären und die Tendenz zur Perfektion und Regeneration“.
Inge Regnat-Ulners Buchstaben- Skulpturen sind aus der Fläche des Schriftbildes herausgelöst und stehen im Raum. „In Anlehnung an das noch Bildhafte im griechischen Alphabet wird es von mir frei variiert und in einer nicht zu engen Auslegung abstrahiert“, so die Bildhauerin. Dabei arrangierten sie mehrere, teils sehr reduzierte Flächen fächerartig zueinander. Von der Seite gesehen entfalten sich diese zu Volumen und letztlich zu einem dynamisch wirkenden Raumgefüge. Durch die Faltung des zweiteiligen „Eta“ entsteht eine Räumlichkeit im Inneren der Skulptur, die durch die Flächenverschiebungen eine rundplastische Sicht von allen Seiten gewährt. Die Tiefen und Einschnitte, die abfallenden Höhen und korrespondierenden Winkel sowie sich ergänzende Linienführungen erschließen sich erst im Umgehen.
Das Alphabet ist die Grundlage, auf der wir Worte und letztlich Sätze bilden. Die Schrift als das Mittel zum Festhalten der Sprache steht mit wenigen anderen Institutionen in so enger Verbindung wie mit der Bibliothek und der Post. Als Orte der Kommunikation sind sie verantwortlich für den Schriftverkehr und die Archivierung von Geschriebenem. Passenderweise findet sich in Rosenheim hinter der Post am Bahnhof, Ecke Luitpold Straße/Anton- Kathrein-Straße, eine zweite Arbeit von Inge Regnat- Ulner.

Die Künstlerin:

Inge Regnat-Ulner, 1937 in Neiße/ Schlesien geboren, lebt und arbeitet seit 1973 zusammen mit ihrem Mann, dem Bildhauer Alfred Regnat, in Zaisberg bei Vogtareuth. Nach einem Studienaufenthalt in London und zwei Jahren an der Ecole Supérieure des Beaux Arts in Paris studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in München Bildhauerei mit Diplom- Abschluss 1968 als Meisterschülerin bei Professor Josef Henselmann. Ihre Gründung von und Mitarbeit in verschiedensten künstlerischen Vereinigungen wurde 2003 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Inge Regnat-Ulner machte sich unter anderem mit zahlreichen architekturbezogenen Projekten einen Namen und gehört heute zu den bedeutendsten und konsequentesten Vertretern der Konkreten/Konstruktiven Kunst in Bayern.

Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand
Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand
Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand
Inge Regnat-Ulner, "Eta", Stahl, lila lackiert, 1996, Foto (c) Martin Weiand