Graffiti an der Mangfallbrücke, 2015

Respektlosigkeit, Vorurteile und alte Grenzen – Street Art reißt Mauern ein; Einen ganz neuen Blickwinkel auf die Situation von Flüchtlingen gibt ein Graffiti an der Rosenheimer Mangfallbrücke.....

Im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Waldorfschule Rosenheim entstand an der Mangfallbrücke ein Graffiti, das nicht nur auffällig ist, sondern auch zum Nachdenken anregen soll und ohne Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie kaum möglich gewesen wäre.

Chaos, Krieg, Hungersnöte… die Liste der Gründe für Flüchtlinge nach Europa auszuwandern ist lang. Ist die beschwerliche Reise überstanden, stehen die Auswanderer noch viel größeren Problemen gegenüber. Immer öfter hat man das Gefühl Flüchtlinge seien nicht ganz willkommen in Deutschland, man denke nur an die PEGIDA – Proteste und brennenden Flüchtlingsheime. Doch wie sollen wir in der Gesellschaft damit umgehen? Und wie fühlen sich überhaupt die Flüchtlinge in dieser Situation?

Genau das fragt sich „Toshi“ (will anonym bleiben) in seiner Abschlussarbeit und bohrt weiter nach, um diese Problematik künstlerisch darzustellen. Es sollte ein öffentlichkeitswirksames Graffiti an einer Wand sein - als ältestes Symbol einer Grenze.

Nur wo findet man in Rosenheim eine Wand um ein solches Projekt zu realisieren? An dieser Stelle wurde die Städtische Galerie Rosenheim auf den Plan gerufen, denn über die Wechselausstellungen hinaus engagiert sich das Ausstellungshaus für "Kunst vor Ort" und unterstützt Projekte, die künstlerische Aktionen auf unkonventionelle Weise vermitteln.

So wurde schon innerhalb eines Schulprojektes 2013 die Fußgängerunterführung an der Mangfallbrücke mit buntem Graffiti bemalt. Und dadurch war es naheliegend, die Wand auf der anderen Flussseite für das neue Graffitiprojekt zu verwenden.

Nun aber zurück zum eigentlichen Kunstwerk: Auf der Wand sind drei Figuren zu sehen, die mit einer speziellen Schablonentechnik, in der Street Art besser bekannt als Stencils, auf die Wand übertragen wurden. Ein Mann im Anzug übermalt großflächig die Wand mit Grau. Er soll die alte Generation verkörpern, die sinnbildlich eine Wand aus Vorurteilen aufbaut und eben diese indirekt durch Verhalten und Proteste an die darauf folgende Generation weitergibt. Die Folgegeneration, dargestellt durch zwei Kinder, macht sich jedoch ein eigenes Bild der Lage und kritisiert den vorgegebenen Standpunkt indem sie die Wand „respektlos“ behandelt und mit dem Slogan„Love your neighbour“ beschmiert oder sogar einreißt. Jedoch kommt hinter dem angebrochenen Wandstück eine Landschaft zum Vorschein, die wiederum die Schönheit einer anderen Kultur repräsentieren soll.

Dadurch gibt der Künstler Toshi einen eindeutigen Appell, den Flüchtlingen mit mehr Offenheit und Respekt zu begegnen sowie auch Neues und Ungewohntes nicht einfach zu "überpinseln" und zwanghaft zu assimilieren, sondern den Menschen wohlwollend zu begegnen.

Leider wurde die Arbeit kurze Zeit darauf durch dilettantische "Übermalung" zerstört.

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber

Graffitiprojekt an der Mangfallbrücke, 2015, Toshi, Foto (c) Leonhard Huber