Alfred Regnat, "Equilibre", 1997

Salingarten Rosenheim

Alfred Regnat entwarf und baute diesen Brunnen im Zuge der Erweiterung der Stadthalle 1997. Das Grundstück hatte die Stadt Rosenheim in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts gekauft. Die zu dem Zeitpunkt bereits stillgelegte Saline war 1967 abgerissen worden. Man begann mit dem Bau der Tiefgarage und schrieb 1969 einen Architekturwettbewerb für die Stadthalle aus, die nach dem Entwurf von Dr. Hilmar Mund 1982 fertiggestellt wurde. Im Jahr 1995 beschloss der Stadtrat einen Anbau für mehr Konferenz- und Tagungsräume. Beauftragt wurde der Architekt Bernhard Peck, der einen modernen, sachlichen und zurückhaltenden Baukörper entwarf.
Im Laufe der Planungen ergab sich an dem Verbindungstrakt zwischen Alt und Neubau eine freie Fläche, die durch ein Kunstwerk gestaltet werden sollte. Die Stadt schrieb dafür einen Wettbewerb aus mit der Vorgabe, dass ein Brunnen mit einer umgebenden flachen Wasserfläche entstehen sollte. Sieben Künstler reichten Arbeiten ein. Als Gewinner ging Alfred Regnat mit seiner Brunnenskulptur aus dem Wettbewerb. Sie fügt sich zurückhaltend und dennoch beständig in den Baubestand ein. Tatsächlich wirkt die breit ausladende Form wie eine Spange. Sie gleicht die Kontraste zwischen den beiden Hallenteilen, die aus verschiedenen Zeiten stammen, aus und ergänzt den Verbindungstrakt sensibel.

Namensgebung

Das Gleichgewicht, das die Skulptur zwischen den beiden Baukörpern auslotet, findet seinen Ausdruck auch im Namen des Kunstwerks: „Équilibre“ steht im Französischen für „Gleichgewicht“ und war schon vor Ausschreibung des Wettbewerbs eines der von Alfred Regnat in seinem Werk durchgespielten Themen. Für den Randabschluss der Plattform zum Becken hin suchte Regnat einen grauen Granitbelag aus. 

Materialität und Formsprache                            

Auf Grund der begrenzten Auflast, die in diesem Bereich auf der Tiefgaragendecke aufliegen durfte, wählte er als Standort des Brunnens den Punkt, an dem sich unter dem Becken eine Stütze der Tiefgarage befindet. Die Materialentscheidung ergab sich aus der Notwendigkeit des technischen Innenlebens.
Die Skulptur ist als Hohlkörper aus Bronzeguss gefertigt. Die Wandstärke der Bronze beträgt fünf Millimeter. In der Mitte befindet sich eine Öffnung, die das Wasser aus dem Wasserbecken in den Hohlkörper pumpt und in eine Wasserleitung münden lässt. Dies geschieht mit einem sehr niedrigen Druck. Das Wasser wird dann rechts und links durch ein Lamellenbett gedrückt, das es bremst und aufstaut, so dass an den Randöffnungen jeweils konstant die gleiche Menge an Wasser als gleichmäßiger Vorhang nach unten fällt.
Aufgrund ihrer zurückhaltenden Form und Farbigkeit, ihres etwas zurückgesetzten Standorts und des ruhigen Fließens wird die Skulptur von vielen Besuchern des Kultur- und Kongresszentrums erst auf den zweiten Blick wahrgenommen – aber vielfach als Ruhepol und Treffpunkt geschätzt.

Künstler

Alfred Regnat (1942 Ruhpolding - 2025 Vogtareuth) lebte und arbeitete zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Inge Regnat-Ulner, seit 1973 in Zaisberg bei Vogtareuth. Von 1958 bis 1960 Ausbildung zum Steinbildhauer. Von 1961 bis 1967 Studium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Professor Josef Henselmann, Meisterschüler und Diplom. Seit 1968 freiberuflicher Bildhauer, zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum in Bayern und Baden-Württemberg.

Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum