Alfred Regnat, "Große gedrehte Stele", 1998

Salingarten Rosenheim

Im Mittelpunkt von Alfred Regnats Arbeit steht neben dem Metallguss vor allem der Stein. Ausgehend von künstlerischen Positionen wie der Konkreten Kunst und dem Minimalismus, bevorzugt er elementare, meist geometrische Formen. Struktur, Konsistenz und Farbe des verwendeten Steins haben – ebenso wie die makellose handwerkliche Bearbeitung und die spielerische Fantasie des Bildhauers – Anteil an der Gestalt seiner Skulpturen. Regnats Fähigkeit, differenziert auf die Umgebung einzugehen, ohne dabei seinen eigenen künstlerischen Weg zu verlassen, machte ihn zu einem bundesweit gefragten Bildhauer für architekturbezogene Arbeiten im öffentlichen Raum.
Die Vorliebe für roten Stein wie bei der Stele im Salingarten resultiert bei Regnat aus der Vertrautheit mit dem in seiner Heimat Ruhpolding vorkommenden roten „Ruhpoldinger Marmor“. Im Allgemeinen beschäftigt sich Regnat mit Stein, weil es sich dabei um das ursprünglichste aller Materialien handelt. Es symbolisiert die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und ist beständig.

Entstehung

Regnat arbeitet zunächst mit den üblichen Steinbearbeitungswerkzeugen wie Hammer und Meißel, auch mit einem Presslufthammermit diversen Meißeleinsätzen zur Ausarbeitung der groben Form. Für die glatte Oberfläche verwendet er einen Diamantschleifer, der dem Stein eine wie vom Wasser oder Gletscher polierte Textur verleiht. Vor allem mit langen und dünnen Formen geht Regnat bis an die Grenzen des Materials. Umgürtungen und Einkerbungen in seinen Stelen sind Zeichen der Zeit, der Bewegung und Veränderung. Die „Große gedrehte Stele“ hat eine Drehung um die eigene Achse in sich. Diese gedrehte Form lässt den Betrachter ein weiches, verformbares Material vermuten und thematisiert ein Spannungsfeld zwischen Form und Werkstoff. Wenn er gefragt wird, wie er diese akkurate Drehung ausgeführt hat, erwidert Alfred Regnat manchmal scherzhaft, er habe „einfach den Stein warmgemacht und gedreht“. Durch die Drehung lässt sich die Stele von allen Seiten ansehen, immer bietet sie dem Betrachter eine Hauptansichtsseite. Die schräg verlaufenden Drehkanten verlocken den Besucher dazu, um das Kunstwerk herumzuschreiten, um den Linien zu folgen und das Werk in seiner Gesamtheit zu betrachten.

Zerstörung

Dort, wo heute Regnats Skulptur zwischen der Münchener Straße und dem Kultur- und Kongresszentrum steht, gab es bereits vorher eine Stele von ihm. Sie war 1992 aus einer Ausstellung in der Städtischen Galerie von der Stadt Rosenheim angekauft und im Salingarten platziert worden. Mit 2,73 Metern war diese erste Stele höher und schlanker und hatte ihren Schwerpunkt im obersten Drittel. Sie wurde ein Opfer von Vandalismus. Die Stele zerbrach etwa in der Hälfte und wurde nach dem Vorfall aus dem Salingarten entfernt.

Reparatur

Regnat schaffte es, die Stele zu reparieren, indem er eine verbindende V2A-Stange einfügte. Die Bruchstelle schloss er mit einer Bronzefüllung. Die auf diese Weise wiederhergestellte, aber sichtlich nicht „geheilte“ Stele fand am Skulpturenweg in Bad Aibling einen Platz in der Nähe des Kriegerdenkmals, bis sie erneut ein Opfer von Vandalismus wurde.

Mit seiner „Großen gedrehten Stele“ fertigte Regnat eine Variante, die voluminöser und weniger hoch ist als die Vorgängerin und sich mit ihrer Verbindung von hartem Stein und organischer Rundung ideal einfügt in den Skulpturenpark Salingarten.

Künstler

Alfred Regnat (1942 - 2025) lebte und arbeitete zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Inge Regnat-Ulner, seit 1973 in Zaisberg bei Vogtareuth. Geboren wurde er in Ruhpolding. Von 1958 bis 1960 Ausbildung zum Steinbildhauer. Von 1961 bis 1967 Studium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Professor Josef Henselmann, Meisterschüler und Diplom. Seit 1968 freiberuflicher Bildhauer, zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum.

Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum