Erika Maria Lankes, "Passanten", 1982-84

Salingarten Rosenheim

Die Passantengruppe mit dem „Arbeiter“, dem „Liebespaar“ und der „älteren Dame“ entstand zunächst 1979-1981 in Polyester, das eingefärbt und bemalt war und von 1983 bis 1984 in der „Skulpturenstraße“ im Münchner Asamhof ausgestellt war. Anlässlich der Gestaltung des Salingartens als Skulpturenpark war die Stadt Rosenheim auf der Suche nach bedeutenden Künstlern aus der näheren Umgebung, um mit deren Skulpturen den Salingarten zu verschönern.
Das Bestreben der Stadt war es, hier eine Stätte der bildenden Kunst zu schaffen und den Park zu einem Zentrum der Erholung werden zu lassen. Die damalige Vorsitzende des Rosenheimer Kunstvereins, Iris Trübswetter, wurde auf die „Passanten“ aus Polyester von Erika Maria Lankes aufmerksam und regte einen gemeinschaftlichen Ankauf an: So erteilte sie der Künstlerin aus Stephanskirchen 1982 den Auftrag für die erste Figur der „Passanten“ in Bronze. Damit unternahm sie den Anstoß für die Aufstellung der ersten großen Lankes-Figurengruppe im öffentlichen Raum. Finanziert wurden die übrigen drei Figuren von der Stadt Rosenheim, der Vereinigung deutschsprachiger Künstlerinnen GEDOK und der Sparkasse Rosenheim. 1984 wurde die Gruppe mit dem „Liebespaar“ vervollständigt und unter reger Anteilnahme von Presse und Publikum der Öffentlichkeit übergeben. Wie der damalige  Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Josef Miehle, bei der Eröffnung erwähnte, wurde das Liebespaar überwiegend mit Mitteln aus dem sozialen Zweckertrag des PSSparens finanziert, was bedeutet, dass die Prämiensparer der Sparkasse die eigentlichen Sponsoren des bronzenen Liebespaares sind.

Entstehung

Bei Realisierung der „Passanten“ ging Erika Maria Lankes ähnlich vor wie bei der Figurengruppe „Vier Leute“ im kleinen Foyer im Rosenheimer Rathaus. Sie fotografierte von der Dachterrasse eines Hotels in Rosenheim Menschen, die an der Ampel warteten. Einen Fokus hatte sie dabei auf Gruppierungen. Wie in den meisten ihrer Arbeiten beschäftigte sich die Künstlerin mit den Leuten von heute, mit der normalen, typischen Bevölkerung Rosenheims. Sie stellt mit Ausnahme des Liebespaares Personen dar, die einander nicht kennen, eine Wartesituation mit Menschen, die zum Beispiel eine rote Ampel für kurze Zeit zusammengebracht hat. Der Herr in der Arbeitshose muss zum Arzt Viel Wert legt die Künstlerin dabei auf Accessoires. Bei dem Herrn beispielsweise fragte sie sich, warum er sich tagsüber in seiner Arbeitskleidung in der Stadt aufhält. Ihr erster Gedanke war, dass er möglicherweise zum Arzt muss und somit versah sie die Skulptur mit einem Verband am rechten Arm. Auch eigene Empfindungen gab sie mit der Gruppe wieder: Das ursprünglich rote Kleid der jungen Frau zum Beispiel entsprach damals ihrem eigenen Selbstverständnis, ist jedoch nur im ursprünglichen Polyester-Guss sichtbar, den Erika Maria Lankes in der Regel bevorzugt. Im Vergleich zu der Ausführung in Polyester verändert das Material Bronze den Charakter der Figurengruppe. Es veredelt und verleiht den Figuren Denkmal-Charakter. Eine ähnliche Rolle nimmt bei der Polyester- Gruppe „Vier Leute“ im Rathaus der Sockel ein.

Standort

Eine bedeutende Rolle in der Arbeit von Erika Maria Lankes spielt auch immer der Standort ihrer Kunstwerke. So war es ihr sehr wichtig, dass ihre „Passanten“ vorne an der Straße stehen um mit den vorübergehenden Menschen Kontakt aufnehmen zu können. Seit der Entfernung der Hecke, die lange Jahre den Park umgab, fügt sich ihre Gruppe wie selbstverständlich ein in den Strom der realen Passanten an einer der wichtigsten Einkaufsstraßen Rosenheims.

Künstlerin

Erika Maria Lankes lebt und arbeitet in Stephanskirchen bei Rosenheim 1940 geboren in Waldenburg, Schlesien. 1959-1964 Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Charles Crodel und Heinrich Kirchner; künstlerische Anfänge in der ungegenständlichen Malerei 1963/66 Erstes und Zweites Staatsexamen für Kunsterziehung; danach freiberufliche Tätigkeit als Kunsterzieherin. 1968 Entdeckung ihrer Leidenschaft für das Material Polyester bei dem Anblick der Skulptur „Girl on a Couch“ von Frank Gallo auf der Biennale in Venedig.

Seit 1971 figürliche Plastik, seit 1978 freiberufliche Künstlerin. Zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2002 Sudetendeutscher Kulturpreis für Bildende Kunst und Architektur. 2003 Kulturpreis der Stadt Rosenheim. 2004 Oberbayerischer Kulturpreis.

Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum