Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, Zwei liegende Stammhälften, 2007
Hochschule - Campus
Franz Xaver Angerer, Vier Stelen, Zwei liegende Stammhälften, 2007, Eiche, Stahl und Leuchten
Sein Entwurfskonzept bestand aus zwei Skulpturengruppen. Für die erste, „Vier Stelen“, wählte er den Platz zwischen den beiden Neubauten. Sein zweiter Beitrag „Zwei liegende Stammhälften“ fand seinen Standort vor dem „S-Bau“ an der Westerndorfer Straße. Beide Objekte sind aus derselben etwa 150 bis 200 Jahre alten Eiche gefertigt: die Stelen aus den Ästen des Stammes, die Hälften aus dem gespaltenen Stamm. Die Schwärzung erfolgt durch eine von Angerer seit vielen Jahren angewandte Bearbeitung der Holzstämme mit dem Brenner.
Symbolik
Bei Dunkelheit werden beide Kunstwerke durch spezielle LED-Leuchten angestrahlt, wobei das weiße und blaue Streiflicht Luft und Wasser symbolisieren. Jede seiner Arbeiten ist in Form und Aussehen individuell, weil Angerer bei der Formgebung und Gestaltung grundsätzlich den naturgegebenen Eigenschaften und Strukturen des Stammes folgt. Wie in fast allen seinen Holzskulpturen verfremdet er dann jedoch das Holz durch die Schwärzung. Die Rillung der Oberfläche mit Quer- und Längslamellen steht hier am Fachbereich für Holztechnik geradezu symbolisch für die unterschiedlichste Bearbeitung von Längs-, Quer- und Hirnholz. Es entstehen dabei landschaftliche Strukturen wie Gebirgszüge, Tiefseegräben und Schichtungen. Die Gruppe der „Vier Stelen“ soll anregen zu einem Miteinander unter Studenten, Lehrenden und Mitarbeitern und zum Austausch der Fakultäten untereinander.
Sichtbarkeit
Aus jeder Perspektive ergibt sich eine eigene, neue Komposition. Trotz ihrer großen Höhe wirken die Stelen zerbrechlich und figürlich. Ihre Befestigung erfolgte durch im Holz verankerte Sockel und Stahlschrauben. Die bewusste Sichtbarkeit der Schrauben führt der Künstler symbolisch auf die Verankerung der Menschen in ihrer Umgebung zurück. Angerers liegende Skulptur aus den Stammhälften findet sich in unmittelbarer Nähe vor dem Gebäude etwas oberhalb der Westerndorfer Straße gelegen.
Materialität
Wie bei den „Vier Stelen“ wird der Kern des Holzes sichtbar gemacht. Die Hälften liegen schräg, Rücken an Rücken, auf einem 50 Zentimeter hohen Kubus aus Stahl auf und sind in Richtung der Längsachse leicht gegeneinander verschoben. Bewusst verfremdet Angerer so den Stamm in seiner natürlichen Form, indem er die Hälften umgedreht und versetzt aneinanderfügt. Gezielt verstärkte er bei der Bearbeitung des Materials die Wölbung und Aushöhlung der Stammhälften, die im übertragenen Sinn für das Positive und Negative im Leben verstanden werden können. Inspirieren ließ sich Angerer durch die Umgebung. Die liegende Skulptur dokumentiert das Geerdete und Archaische und nimmt in Form und Gestalt Bezug auf die Architektur. Bei beiden Stammhälften findet sich die Grundform der Dächer der beiden Neubauten wieder. Das geschwärzte Holz, das neben der künstlerischen Wirkung zu einer besseren Haltbarkeit zum Beispiel gegen Pilzbefall führt, entfaltet durch Wärme und Trockenheit eine besonders anziehende Wirkung auf einige Ameisenkolonien, die in den Stamm eingezogen sind und den in Kauf genommenen natürlichen Verfall der Skulptur ankurbeln.
Künstler
Franz Xaver Angerer wurde 1953 in Hammer bei Siegsdorf geboren. Nach einer Lehre als Maschinenbauer entstanden ab 1968 erste Arbeiten wie Metallplastiken und Objekte, seit 1987 arbeitet Angerer als freischaffender Bildhauer, unter anderem für Kunst am Bau. Seine bevorzugten Materialien sind Holz und Stahl. Heute lebt Angerer in Inzell und führt in Hammer bei Siegsdorf mit seiner Frau die Galerie „Kunstgetriebe“.