Josef Hamberger, Wasserrad, 1981

Salingarten Rosenheim

Als 1981 das Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) gebaut wurde, hieß das Gebäude im Salingarten noch „Stadthalle“. Die Stadt trat damals mit der Bitte an Josef Hamberger heran, die Möglichkeiten für einen Brunnen zu prüfen. Den Salingarten im Vordergrund und das Kuko leicht erhöht dahinter, bot der Standpunkt nicht die einfachsten Voraussetzungen. Es musste etwas entstehen, was diese beiden Bedingungen verband, nicht trennte, und dabei auch nicht den Mittelpunkt für sich vereinnahmte.
Josef Hambergers Werke zeichnen sich – nicht zuletzt durch seine langjährige Erfahrung im Umgang mit Kunst am Bau – insbesondere durch ihren Respekt vor dem im Umfeld bereits Vorhandenen aus, aber auch durch ihre Konzentration auf wenige klare Formen und Materialien. „Alles, was man macht, darf einen nicht anspringen, darf keine Momentaufnahme sein, sondern muss in sich ruhen“, so der Bildhauer. Er schafft seine Skulpturen für alle, egal ob für Kunstfreunde oder einfach Betrachter und Passanten. Jedem soll die Möglichkeit gegeben werden, sich zu identifizieren und einzufühlen.

Entstehung

Als Hauptmaterialien bearbeitet Hamberger vorwiegend Holz, Bronze und Stein, was ihn aber nicht daran hindert, auch mit anderen, neuen Materialien zu experimentieren. Hamberger legte mehrere Entwürfe vor. Die Stadt entschied sich für sein „Wasserrad“. Das Oberbayerische Volksblatt stiftete das Kunstwerk. Hambergers Ausgangsidee war, dass zwischen den Bäumen des kleinen Skulpturengartens etwas Leichtes, Transparentes herausragen sollte. Ein massiger Körper hätte bei der benötigten Höhe die Stadthalle vom Salingarten abgetrennt. So wählte er mit dem Rad für den Kulturstandort in der Stadtmitte eines der ältesten Kultursymbole der Menschheit, aber in einer sehr leichten und industriellen Form.

Bewegung

Das Wasserrad resultierte aus dem Wunsch der Auftraggeber nach einem Brunnen. Aus diesem Grund wurde auch das flache Wasserbecken um das Rad herum angelegt, das die zwei Ebenen, Oben und Unten, die so oft in Josef Hambergers Entwürfen zu finden sind, vervollständigt. Auf diese Weise sind der Park und die Stadthalle nun auf horizontaler wie auch auf vertikaler Ebene sanft verbunden und ergeben einen sinnvollen Zusammenschluss. Durch kleine Düsen im Wasserbecken dreht sich das Rad im Uhrzeigersinn mit etwa einer Umdrehung pro Minute, und so manche Taube scheint sich fast wie ein Besucher des Rosenheimer Herbstfestes auf einer netten Fahrt im Riesenrad zu fühlen. Die Idee ist nicht abwegig: Das Wasserrad ist durchaus gedacht als kleine Parallele zum Riesenrad, das jedes Jahr während des Herbstfestes auf der Loretowiese seine Runden dreht.

Künstler

Der Bildhauer Josef Hamberger, geboren 1925 in Frasdorf, zählt zu den bedeutendsten Kirchenausstattern Bayerns. Die Vielfältigkeit seiner Arbeiten, seine handwerkliche Perfektion und sein respektvoller Umgang mit der vorhandenen Substanz zeichnen auch sein freies bildhauerisches Werk aus.
Hamberger studierte an der Münchner Akademie Bildhauerei. Einige Zeit verbrachte er in London am Royal College of Art, wo er Henry Moore begegnete. Seit 1955 arbeitet Hamberger als Bildhauer in Rosenheim. Als Würdigung seines Werkes erhielt er 1999 die goldene Bürgermedaille und 2011 den Kulturpreis der Stadt Rosenheim. Der Künstler verstarb 2020.

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