Josef Thorak, Aktfigur, 1937
Städtische Galerie, Außenbereich
Josef Thorak, Aktfigur, 1937, Bronzefigur
Die Aktfigur folgt dem klassizistischen Ideal seiner Zeit. Neu war die Haltung. Die hinter dem Rücken locker übereinander gelegten Hände geben den Blick frei auf die Vorderseite des unbekleideten Körpers. Der gesenkte Kopf bei gleichzeitig festem, breitbeiniger Stand suggeriert die während der Nazizeit geschätzten vermeintlich weiblichen Tugenden Demut, Spannkraft und Stolz.
Entstehung
Die Modellierung verrät das dem Bronzeguss zu Grunde liegende Wachsmodell. Auf eine frühere Schaffensphase Thoraks aus der Zeit vor 1933 verweist noch die bewegte Oberfläche. Erst mit Beginn der Naziherrschaft hatte Thorak seine teilweise durchaus modernen Ansätze zu Gunsten eines glatten, pathetischen und heroisch- monumentalen Menschenbildes aufgegeben, das hier bereits anklingt. Für diese relativ unbekannte Plastik Thoraks schwankt die offizielle Datierung zwischen 1933 und 1935. Als Titel wird gelegentlich auch „Die Schöne nach dem Bade“ geführt und als Modell die tschechische Schauspielerin Anny Ondra genannt. 1933 hatte sie den Boxer Max Schmeling geheiratet, der als Nachbar Thoraks in Bad Saarow, nahe Berlin, dem Bildhauer in diesen Jahren ebenfalls Modell stand, unter anderem für die Bronzeplastik „Faustkämpfer“ für das Reichssportfeld in Berlin.
Politische Einordung
Bei der Bronzefigur im Garten der Galerie gibt es eine Besonderheit: Die Galerie, das angrenzende Archiv und der Garten mitsamt der Figur sind als schützenswert in die Denkmalliste eingetragen. Inwieweit nationalsozialistische Kunst im öffentlichen Raum heute noch Platz finden sollte, wird berechtigterweise diskutiert. Obwohl es sich bei der Plastik im Rosenheimer Galeriegarten nicht unmittelbar um Propagandakunst handelt, spiegelt sie doch eindeutig die der Politik und ihren Vorlieben geschuldeten Aussagen eines Staatskünstlers.
Die Skulptur steht deshalb weiterhin im Garten der Städtischen Galerie und des Stadtarchivs, weil die Plastik, die Gebäude und der Garten im Kontext des Denkmalschutzes eine Einheit bilden. Die Hintergründe des Werks werden u.a. hier auf unserer Homepage erläutert.
Ab Herbst 2024 wird auch das Werk der Bildhauerin Marianne Lüdicke wieder einen festen Platz im Galeriegarten finden. Die von der Künstlerin geschaffene Mädchenfigur verkörpert bei gleichem Motiv eine künstlerische Gegenposition zum Werk Thoraks (weitere Informationen, siehe nachfolgend).
Künstler
Im Jahr 1889 in Wien als Sohn eines Töpfers und einer Buchbinderin geboren, erlernte Joseph Thorak in Bulgarien das Töpferhandwerk und studierte anschließend Bildhauerei in Wien und Berlin, wo er durch die Förderung des angesehenen Kunsthistorikers Wilhelm von Bode 1914 sein Studium als Meisterschüler abschloss. 1928 erhielt er den Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste und heiratete seine zweite Frau Hilda Lubowski, eine Jüdin, von der er sich 1933 scheiden ließ. Während eines Türkeiaufenthaltes 1933-1935 schuf er unter anderem für Atatürk das Befreiungsdenkmal der Türken in Ankara.
Dank seiner Leidenschaft für Großplastiken wurde Thorak schnell zu einem der meist beschäftigten Propaganda-Künstler des Dritten Reiches. 1938 ließ Hitler seinen Architekten Albert Speer in Baldham bei Vaterstetten für Thorak ein Atelier bauen, in dem der Künstler Plastiken bis zu einer Höhe von 17 Metern herstellen konnte. 1935 stieß Thorak auf Widerstand in Berlin. Die Jury für die künstlerische Ausgestaltung des Reichssportfeldes mit Olympia- Stadion lehnte es ab, Werke des Österreichers zu berücksichtigen. Erst nach Hinweis aus der NSDAP, dass Hitler die Arbeiten des Bildhauers schätze, wurde die Haltung revidiert. Ab 1937 lehrte Thorak an der Münchner Akademie und wurde 1944 von Hitler unter den zwölf wichtigsten bildenden Künstlern des Regimes geführt. Nach Recherchen der Salzburger Historikerin Susanne Rolinek inspizierte Thorak als künstlerischer Berater der SS-eigenen Porzellanmanufaktur Allach auf dem Gelände des KZ Dachau persönlich die KZ-Häftlinge bei ihrer Arbeit in der Fabrik. Nach Kriegsende in Deutschland mit Arbeitsund Verkaufsverbot belegt, erfreute er sich in Österreich zahlreicher Ausstellungen und Ehrungen. Allerdings gab es dort auch Proteste wegen der Vergangenheit Thoraks. So errichtete der Kapruner Künstler Anton Thuswaldner einen großen Trümmerhaufen als wütende Antwort darauf, dass in Salzburg Werke Thoraks stehen. Thorak starb 1952 auf Schloss Hartmannsberg bei Bad Endorf.