Louise Stomps, "Norne", 1985
Salingarten Rosenheim
Louise Stomps, "Norne", 1985, Bronzeskulptur
Louise Stomps stellte 1980 in der Städtischen Galerie mit viel Erfolg aus. Im Kreis der künstlerisch Interessierten hatte sie schon weit vor dieser Ausstellung bundesweit Wertschätzung erfahren.
Namensgebung
In der Figur für den Salingarten beschäftigte sich Louise Stomps mit dem bei ihr immer wiederkehrenden Thema „Paar“. Der Titel „Norne“ verweist auf die Schicksalsfrauen der nordischen Mythologie. Die Nornen (altnordisch Nornir) sind in der nordischen Mythologie schicksalbestimmende Frauen, von denen einige von Göttern, andere von Zwergen oder Elfen abstammen sollen. Innerhalb der indogermanischen Religionen und Mythologien besteht eine Verwandtschaft mit den römischen Parzen und den griechischen Moiren.
Materialität
Der Sockel der Originalskulptur besitzt mit der natürlichen Rindenoberfläche die Ursprungsform des Eichenstammes. Die darauf aufbauende schmale Doppelstelenform ist dynamisch und in sich geschlossen. Die verschlungenen Stränge mit ihren Kanten und Rundungen wirken trotz aller Abstraktion insgesamt organisch und körperlich. Es scheint, als wären zwei Gestalten so innig verschlungen, dass sie gemeinsam ein Ganzes bilden. Auf diese Weise vereint die Gestik der Skulptur Emotionen und Gefühle und vermittelt diese auch dem Betrachter.
Unterwegs mit ihrem Motorrad, suchte Louise Stomps häufig am Inn nach Holz für ihre Skulpturen, wodurch ihre Werke meist einen regionalen Bezug haben. Jedes ist ein Unikat, jeder Baumstamm hat seine eigene Geschichte. Diese Einmaligkeit war der Bildhauerin besonders wichtig.
Der Bronzeabguss, 1982 vom Stadtrat in Auftrag gegeben, ist ein Kompromiss, um den Witterungsverhältnissen besser standzuhalten. Im Vergleich zum Original wirkt er kühler und distanzierter. Er steht auf einem niedrigen Betonsockel, ist aus braungrauer Bronze und weist an einigen Stellen Oxidationsspuren auf. Die Struktur der Oberfläche mit ihren vielen kleinen Rillen und Kerben, die durch das Hobeln und Schnitzen des Holzes verursacht wurden, verrät auch in der Bronze noch die intensive Bearbeitung des Baumstammes. Eine Skulptur aus Mooreiche von Louise Stomps befindet sich heute im Holztechnischen Museum Rosenheim. Sie darf berührt werden und vermittelt einen Eindruck von der Ausstrahlung und Wärme der Holzplastiken. Die „Norne“ im Salingarten hat ebenso wie die anderen Plastiken einen Platz in der Wiese, die von hohen Bäumen umringt wird. Im Sommer ist sie zusätzlich umgeben von Besuchern des Parks, die in der Wiese verweilen und sich entspannen.
Künstlerin
Louise Stomps wurde 1900 in Berlin geboren. Seit 1918 war sie künstlerisch tätig, unter anderem belegte sie 1928 bis 1932 Kurse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und im Verein der Künstlerinnen von Berlin. 1927/28 entstanden erste Skulpturen aus Holz, ab 1933 Arbeiten aus Stein. 1951 wurde ihr der Kunstpreis der Stadt Berlin zuerkannt sowie 1953 der Anerkennungspreis für das „Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen“ in London. 1960 zog Louise Stomps nach Rechtmehring bei Wasserburg. 1988 verunglückte sie mit ihrem Motorrad und starb an den Unfallfolgen.