Marianne Lüdicke, "Ruhe", 1985

Salingarten Rosenheim

In Rosenheim wirkte sie vor allem im Kunstverein mit und sorgte als Jurymitglied schon in den 1960er-Jahren für ausgewogene Ausstellungen, die auch den Jüngeren und Moderneren eine Teilnahme ermöglichten.

Für die Rosenheimer Bürger ist sie auch als Bildhauerin keine Unbekannte, da mehrere ihrer Bronzen in der Stadt zu sehen sind. Das „Sitzende Mädchen“ vor dem Bahnhof, das „Kind mit Ball“ an der Sparkasse, „Der Träumer“ in einer Grünanlage in der Marienberger Straße, die „Lustige Gymnastik“ vor der Turnhalle am Nörreut, das Mädchen im Garten der Städtischen Galerie – und nicht zuletzt die „Ruhe“ im Salingarten.

Figur

Die „Ruhe“ ist sowohl nach innen als auch nach außen gewandt. Ihr weites Gewand abstrahiert und umschließt die Figur sicher. Sie scheint gelassen und doch auch interessiert die Besucher des Gartens wahrzunehmen. Sie mag über das Treiben der Menschen nachdenken und fordert sie dabei insgeheim auf, dasselbe zu tun. Dabei strahlt sie eine mütterliche Geborgenheit und Wärme aus, die manch jüngeren Besucher schon dazu eingeladen hat, auf ihr zu ruhen. Auf ihren sanft gerundeten Knien kann man gut sitzen. Und der Schoß dieser Ruhenden scheint so breit, dass er nicht nur ein Kind, sondern alle Welt in sich zu bergen vermag.

Das Thema ist wie bei vielen anderen Skulpturen von Marianne Lüdicke eine Symbiose von Gefühlen wie Gelassenheit, Zuneigung, Geborgenheit und Zuwendung. „Mich berühren Beziehungen zwischen den Menschen wie Begegnung, Freundschaft, Barmherzigkeit, das Gespräch, das Miteinandersein...“, so Marianne Lüdicke, und das ist die Voraussetzung dafür, dass ihre Hände nicht nur Eindrücke formen, sondern zum Ausdruck finden, zur expressiven Botschaft.

Arbeitsweise

Marianne Lüdicke war auf die menschliche Figur spezialisiert. Ihre Darstellung bleibt dabei im Rahmen des allgemein Zugänglichen, getragen von handwerklichem Können und künstlerischem Gespür. Opposition in der Kunst ist ihr fremd. „Marianne Lüdickes Figuren haben das Zeitlose, das Immergewesene, Immervorhandene, das Kunst zuweilen annehmen kann, in hohem Maß. Dieses Etwas, das nach außen strahlt und das Klima eines Kunstraums prägt“, so hat es der Kulturreferent des Landkreises, Klaus J. Schönmetzler, formuliert. Für einen Stadtpark wie den Salingarten ist sie damit eine ideale „Besetzung“.

Künstlerin

Marianne Lüdicke (1919-2020) besuchte ab 1938 in München die Kunstschule Maxon und studierte von 1939 bis 1944 an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Richard Knecht Bildhauerei. Ab 1945 war sie selbstständig in Weisham bei Bernau am Chiemsee tätig. Schon ab 1949 in der Großen Ausstellung im Haus der Kunst München war sie mit ihren Arbeiten auch bundesweit in zahlreichen Ausstellungen und mit Kunst im öffentlichen Raum vertreten. Im Jahr 1980 wurde ihr der Seerosenpreis der Stadt München verliehen und 1999 der Kulturpreis des Landkreises Rosenheim.

Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum