Oliver Hein, "Blue Cube", 2002
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Oliver Hein, "Blue Cube", 2002, Lichtinstallation
Oliver Hein taucht seit dem 16. Oktober 2002 durch sein Kunstwerk Blue Cube das Rosenheimer Zentrum in blaues Licht und gibt der Stollstraße mit der Volkshochschule und dem Felsenbrunnen eine neue Erscheinung.
Der Münchner Künstler lebt und arbeitet heute in Cambridge, England. Schon bald nach seinem Studium 1989 hatte sich Hein in der europäischen Künstlerszene etabliert. Zahlreiche Kunstprojekte im öffentlichen Raum hat er kreiert, veranlasst und inszeniert. Die Gestalt und die vermittelnde Atmosphäre von Räumen bilden den Schwerpunkt seiner Arbeiten. Die Verwandlung von Räumen durch Zeit, Bewegung oder Licht spiegelt sich in allen seinen Werken wider.
Ehemaliges Trafohaus
Anlass zur Ausschreibung eines Kunstwettbewerbs in der Stollstraße war der Neubau der Volkshochschule. Dabei stellte das Trafohaus aus den 70er-Jahren den Schandfleck der Neukomposition dar, war jedoch aufgrund seiner Funktion als zentraler Stromverteiler von absoluter Notwendigkeit. Da weder ein Abriss noch eine Versetzung möglich gewesen wären, kam es im März 2001 zur Ausschreibung eines Wettbewerbs mit der Vorgabe, das Relikt in seiner Substanz zu bewahren, aber die Neugestaltung des zentralen Platzes positiv zu verstärken. Der „Blue Cube“, Siegerentwurf aus zehn eingereichten Vorschlägen, schafft die Verwandlung eines verwahrlosten Trafohauses in einen zentralen, hell erleuchteten Punkt im Stadtkern, der die ursprüngliche Funktion tagsüber im Geheimen bewahrt, aber in den Abendstunden deutlich sichtbar macht. Das neue Schulgebäude wird durch die Lichtinstallation zusätzlich aufgefrischt. Bei der Gestaltung des gesamten Platzes sowie bei der Auswahl der eingereichten Entwürfe des Künstlerwettbewerbs wurde auf ein harmonisches Zusammenspiel zwischen dem bestehenden Felsenbrunnen und der neuenInstallation kaum geachtet.
„Ein Rätsel: Was war da vorher?“
Einer der wichtigsten Punkte im Zentrum hat sich verändert, und somit hat der Bewohner ein Stück vertraute Umgebung verloren. Der Künstler schenkt den Rosenheimern ein Stück Stadtgeschichte, verpackt dieses auf eine geheimnisvolle Art mit Acrylglasplatten, die von einem Metallgerüst gehalten werden und verzichtet dabei vollkommen auf Dekor, um eine klare Linienführung zu erreichen. Die Präsenthülle bildet einen Raum auf einer Fläche von 7 mal 3,40 Metern mit einer Höhe von 3,20 Meter, in welchem sich das alte Umspannhaus verbirgt. Aber nicht nur nachts zieht der Kubus, der von innen heraus blau zu glühen scheint, Nachtschwärmer und Anwohner an. Auch bei Tageslicht, in dem er eher kühl und erstarrt wirkt, verbindet er sich durch Reflektionen und Spiegelungen mit der unmittelbaren Umgebung.
Wirkung
Hein fordert damit, die eigene Umwelt mit offenen Augen wahrzunehmen und den Dingen Wertschätzung entgegenzubringen. Der Blue Cube ist ein neues Kunstwerk in Rosenheim, das eine alte Geschichte in sich verbirgt. Im beleuchteten Zustand ist die Skulptur selbst ein klarer Körper, in dem dennoch die Konturen des alten Trafohauses unter dem Glas sichtbar sind. Tritt man jedoch näher, blickt man in einen nebligen, blauen Raum, den man nicht ermessen kann und der dadurch irritiert.
„Der Zusammenhang mit dem unklaren Raum ist Konzept“, so Oliver Hein, „es ist der ständige Wechsel von Form und Leere je nach der eigenen Position, den ich damit zeigen will – und dass beide eigentlich eins sind. Die Idee war, mit dieser Skulptur dem Passanten eine ‚Frage' nach seiner Erinnerung an seinen Lebensraum zu stellen – oder ein Rätsel aufzugeben, wo er sich eigentlich befindet in seiner Stadt, was er da sieht, was da vorher war und wie sich seine Umwelt verändert, ohne dass er es vielleicht merkt“. Der Sinn des Kunstwerkes erschließt sich erst, wenn die Hintergründe dazu dargelegt werden und die alte Situation bekannt ist. Für die Erläuterung dieser Aspekte jedoch ist bisher keine Beschilderung am Kunstwerk angebracht worden. Zum besseren Verständnis, vor allem für junge Leute, Touristen oder Zugezogene, wäre dieses Wissen vorteilhaft. Dennoch: „Schöner als vorher ist's oiwei„ habe ihm eine Passantin beim Aufbau seines ,Blue Cube’ gesagt“, so Oliver Hein, und Rosenheims damalige Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer freute sich zur Eröffnung, Rosenheim „strahle jetzt noch mehr“. Aber damit hat es seit geraumer Zeit ein Ende. Das innere Leuchten in den dunklen Abendstunden ist erloschen. Nach einer Laufzeit von etwa fünf Jahren ließ mit dem naturgemäßen Ausfall der LEDs der blaue Schein nach, bis der Kubus im Jahr 2009 endgültig abgeschaltet wurde. Das Stadtplanungsamt sowie das Kulturamt in Rosenheim bemühen sich seither um die Finanzierung des Unterhaltes. Ziel der Ämter ist es, den „Blue Cube“ bis Ende 2010 wieder in seiner vollen Schönheit erstrahlen zu lassen.
Künstler
Oliver Hein. 1956 geboren in München. 1978 Ausbildung zum Metallrestaurator. 1980 Kunstgeschichtsstudium an der LMU, München. 1981 Studium der Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste, München. 1989 Diplom bei Professor Leo Kornbrust. Ab 1993 Internationale Ausstellungen und Projekte im öffentlichen Raum.