Ovis Wende, "Diameter", 1993
Hochschule - Campus
Ovis Wende, "Diameter", 1993, Brunnen aus Bronze und Edelstahl
Ausgeschrieben waren vier Bereiche, darunter auch dieser Teil des Campus auf dem Südgelände. Unter acht Vorschlägen der geladenen 20 Künstler konnte sich der damals in München lebende Bildhauer Ovis Wende durchsetzen.
Zusammenspiel
Die Skulptur überzeugte durch ihre passende Formensprache. Es handelt sich um die Abwicklung einer dorischen Säule in Bronze, die von einem Edelstahlzylinder der Neuzeit durchdrungen wird. Der leichte Wasserstrom, der sanft über den Zylinder fließt, soll den lebendigen Zusammenhang der beiden Zeiten darstellen. Der Standort gegenüber der Fakultät für Innenarchitektur erscheint ideal: Wo sonst könnte das Zusammenspiel von alter Architektur und technischer Neuzeit besser passen?
Botschaft
Die Botschaft des Brunnens ist weitaus mehr als nur ein bisschen „Geplätscher“. Er soll daran erinnern, dass alles, was in der Zukunft des technischen Zeitalters entsteht, seinen Anfang in der Vergangenheit hat. Das Ablösen der Geometrie einer antiken Säule von der Präzision des Zylinders steht für die Verbindung von Vergangenheit und Fortschritt. Die Skulptur ist als diagonale Orientierung im Straßenraum für Passanten, Studenten, Professoren und Dozenten positioniert und wird wahrgenommen wie ein lange bekannter Begleiter. Dieser Eindruck der Vertrautheit hängt damit zusammen, dass die antike Bronze durch die Witterung natürlich „altert“.
Entwicklung
Die Einwirkung des Wassers, die Oxidation sowie das allmähliche Vermoosen und Verkalken verbinden die Teile zu einem Ganzen und erschaffen – ähnlich den künstlich verwilderten Brunnen der Romantik – ein Zitat, das die weit zurückliegende Antike anschaulich werden lässt. Der rostfreie, glänzend-geschliffene Edelstahlzylinder jedoch wirkt inzwischen durch die Witterungseinflüsse matt und verschmutzt, sodass der Brunnen nicht in seinem alten Materialgegensatz strahlen kann. Mit etwas Pflege und einem kleinen Hinweis auf Künstler und Werk ließe sich dieses Objekt noch leichter verständlich machen.
Künstler
Ovis Wende wurde 1952 in Würzburg geboren. 1973 bis 1977 studierte er Kunstgeschichte, Germanistik und Italienisch an der LMU München sowie Kunst bei Professor Seitz an der Akademie in München. Seitdem zahlreiche Skulpturen und konzeptionelle Arbeiten im öffentlichen Raum. 1988 „Karl- Hofer-Preis“ der Hochschule der Künste in Berlin. 1990 bis 1991 Gastdozent an der Hochschule der Künste in Berlin, seit 1995/96 am Architektur-Lehrstuhl der TU München. 1993 Förderpreis der Mathias-Pschorr-Stiftung. Seit 1999 ist Ovis Professor für Kunst im öffentlichen Raum und Szenografie an der FH Dortmund.