Rolf Märkl, "Große Stehende", 1962/63

Salingarten Rosenheim

Mit ihrem an die griechische Klassik angelehnten Standmotiv, der leicht untersetzten, fülligen Figur, den abstrahierten Gesichtszügen, einer lebendig bewegten Oberfläche und dem Verzicht auf Details oder Porträtzüge verkörpert sie ein Ideal, das ausgehend von dem französischen Bildhauer Aristide Maillol (1861-1944) die Moderne entscheidend prägte.

Einflüsse 

Maillol war jeweils 1955 und 1964 auf der Documenta. Noch zu diesem Zeitpunkt galt sein Werk als einer der Maßstäbe für zeitgemäße figürliche Plastik. Frei von den Idealen der nationalsozialistischen Jahre, in denen die „arische Arbeiterfrau“ in streng naturalistischer Wiedergabe mit durchgesteckten Beinen und Siegerblick zu posieren hatte, steht bei Märkl Maillols klassischer, gemäßigt-expressiver Frauenakt Pate. Zur gleichen Zeit wie seine Aktfigur schuf Märkl die deutlich expressivere Bronze „St. Sebastian“, die später an der Städtischen Galerie in Rosenheim aufgestellt wurde Diese Gleichzeitigkeit überrascht zunächst, denn die beiden Bronzen könnten von der Themenwahl, Bearbeitung und Aussage her kaum unterschiedlicher sein. Wie die Plastik „St. Sebastian“ wurde auch die „Große Stehende“ in Köln durch einen Bronzeguss im Wachsausschmelzverfahren hergestellt, das Märkls Lehrer Heinrich Kirchner wieder zum Leben erweckt hatte.

Entstehung 

Als Märkl um 1980 von der Konzeption des Skulpturenparks im Salingarten gehört hatte, schlug er dem Stadtrat die „Große Stehende“ vor. Zusammen mit Heinrich Kirchners Gruppe „Mann mit Pferd“ wurde sie 1981 angekauft. Ursprünglich stand die Plastik auf einem niedrigen Sockel vor einem Wasserbassin. Nach wiederholtem Vandalismus und Verkleidungen wurde sie auf einen außergewöhnlich hohen Sockel gestellt. Im Salingarten befinden sich Werke der für Rosenheim repräsentativen Künstler Heinrich Kirchner, Erika Maria Lankes, Marianne Lüdicke, Alfred Regnat und Louise Stomps. Rolf Märkl, der bis zu seinem Tod im Jahr 2020 nicht nur als Rosenheimer Bildhauer, sondern auch kritischer Geist die städtebauliche und künstlerische Entwicklung Rosenheims begleitete, fügt sich hier mit seinem Werk auf ideale Weise ein.

Künstler

Rolf Märkl wurde am 20. März 1931 in Rosenheim geboren. Auf seine Lehrzeit ab 1945 als Holzbildhauer in Rosenheim folgten ab 1949 eine Lehre als Steinbildhauer in München und 1952 bis 1958 ein Bildhauerstudium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Von 1958 bis 1966 arbeitete er als Kunsterzieher in Westfalen und Oberbayern. Seit 1966 lebt er als freischaffender Künstler in Rosenheim. 1986 wurde er mit dem Kulturpreis der Stadt Rosenheim ausgezeichnet, 2012 mit dem Oberbayerischen Kulturpreis. Der Künstler verstarb 2020.

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