Rudl Endriß, "Wortsteine", 1999

Hochschule - Campus

Rudl Endriß wurde 1987 als Dozent für das Wahlpflichtfach „Plastisches Gestalten“ an den Fachbereich Innenarchitektur berufen. Im Zuge dieses Lehrauftrages entstanden gemeinsam mit den Studenten zahlreiche Ausstellungen auf dem Campus der Hochschule. Ein Schlaganfall im Jahre 1993 führte zum Verlust der Sprache und schränkte Rudl Endriß' Bewegungsfähigkeit ein. Dies dauert bis heute an. Dennoch stellte er sich auf die neuen Herausforderungen ein und nahm seine Arbeit als freischaffender Künstler und aktiver Bildhauer wieder auf. Bis 2006 führte er auch seine Lehrtätigkeit an der Fachhochschule fort. Mit Hilfe von Wörterbüchern erlernte er die Sprache neu und ließ seinen Umgang damit auch in seine Werke mit einfließen.

Materialität

Sie begeistern durch den gekonnten und präzisen Umgang mit dem Material und durch ihre oft großen Formate, regen die Gedanken der Betrachter an und erweitern die Wahrnehmung. Aus Dank für die Freude und Lebenslust, die ihm die Arbeit an der Fakultät für Innenarchitektur gaben, schenkte Rudl Endriß im Jahre 1999 sechs Werke aus der Serie „Wortsteine“ der Hochschule Rosenheim und setzt damit Akzente auf dem Campus. Zwei Granitblöcke auf verwitterten Stahlblechen wurden in Absprache mit dem damaligen Präsidenten der Hochschule Rosenheim, Professor Hans Zahn, an der Ostfassade des E-Gebäudes aufgestellt, vier weitere an der Westfassade. Die sechs teilweise aus mehreren Einzelteilen komponierten Skulpturen bestehen aus Granit in verschiedenen Farbtönen von rosé und beige über hellgrau bis schwarz und haben teils raue oder geschliffene Oberflächen. Als Formen verwendete Endriß Stelen oder Quader. Sie zeigen – passend zum Aufstellungsort – einen deutlichen Bezug zur Architektur.

Symbolik

Einige erinnern durch ihre Schichtung an Hochhäuser, andere weisen mit ihrer paarweisen Aufstellung und der Satteldachform Charakteristika der deutschen Doppelhaushälfte auf. In die polierten Front- und manchmal auch Seitenflächen gravierte der Bildhauer in alphabetischer Anordnung unterschiedliche Wortzusammensetzungen der verschiedenen Grundbegriffe Leben, Denken, Weg, Stein, Zeit und Liebe. Endriß regt die Betrachter an, sich einzelner Komponenten der Worte bewusst zu werden, damit zu spielen und tief in die vielschichtigen Bedeutungsebenen der Sprache einzudringen. Rudl Endriß schafft durch seine Werke Stationen entlang der Verkehrswege, die zum gemeinsamen Fantasieren und Philosophieren einladen. Sie ermuntern zum Innehalten im stressbeladenen Alltag und zur Besinnung auf das Wesentliche im Leben: die Kommunikation und den Austausch mit sich selbst und seiner Umwelt.

Künstler

Rudl Endriss wurde 1943 in München geboren. 1963 bis 1974 Studium der Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule München und Studium der Naturwissenschaften und Kunst an der Universität München. Seit Mitte der 60-er Jahre freie künstlerische Arbeit, außerdem 1970 bis 1987 Lehrer an der Staatlichen Fachlehrerausbildung in München-Ramersdorf, 1986-1992 Vorsitzender des Wasserburger Kunstvereins „AK 68“, 1986 bis 1995 Ausstellungsgestaltung für das Haus der Bayerischen Geschichte, 1987 bis 2006 Akademischer Direktor im Fachbereich Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim, 1993 Schlaganfall, ab 1994 weiterhin künstlerisch tätig mit zahlreichen Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum.

Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum