Vier kleine feine Blätter in der anspruchsvollen Radiertechnik Aquatinta wurden 1966 aus der Einzelausstellung von Heribert Losert in der Städtischen Galerie Rosenheim angekauft. In samtigen Tönen von hellgrau bis tiefschwarz hat der vielseitig tätige Maler, Zeichner, Aquarellist und Kunstpädagoge, der am 11. Juli 100 Jahre alt geworden wäre, zentrale Themen seines Schaffens im kleinen Format umgesetzt: Kinder, Landschaften und Gebäude. Dabei abstrahiert der vielfach Ausgezeichnete und Geehrte die Formen seiner Objekte, führt sie zurück auf geometrische Flächen und Kuben, setzt Kontraste gegeneinander.
Der Sohn eines k. und k. Offiziers wuchs ab 1923 in Troppau (heute Opava) in Mährisch-Schlesien auf und erhielt hier früh Zeichenunterricht. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule und der Akademie der bildenden Künste in Wien wirkte Heribert Losert ab 1935 als freischaffender Maler und Gebrauchsgrafiker u. a. in der Plakatabteilung der weltweit bekannten Schuhfabrik Bata im mährischen Zlín.
Nach Krieg und Vertreibung landete Heribert Losert 1946 mit seiner Ehefrau Emmy und den beiden Töchtern Gerlinde und Edith in Rosenheim, wo die Familie im Fastlingerhaus neben dem Mittertor Unterkunft fand. Als Entwurfszeichner bei der Keramikwerkstätte Gradl (1946/47), als Grafiker für das Education Center der US-Armee (1948-52), als Illustrator für Zeitungen und Zeitschriften sowie als Gebrauchsgrafiker für verschiedenste Anlässe (u. a. Herbstfest) versuchte Heribert Losert in den Rosenheimer Jahren sich und seine Familie über Wasser zu halten. 1951 gehörte Losert zusammen mit Karl Prokop, Hans Waiblinger und Friedrich „Rio“ Lange zu den Gründern der „Gruppe 51“, die mit ihrem Protest gegen die neuerliche Präsentation von Nazi-Kunst, ihre Aktionen, Feste und Malreisen wichtige Akzente im kulturellen Leben der Nachkriegszeit in Rosenheim setzte.
Bereits 1952 verließ Heribert Losert unsere Stadt, um sich am Lehrerseminar der Waldorfschulen in Stuttgart zum Kunstpädagogen ausbilden zu lassen. Bis 1961 wirkte er in München an der Rudolf-Steiner-Schule, dann arbeitete der Anhänger der Anthroposophie wieder als freier Künstler und entwickelte spezielle Techniken der Aquarellmalerei, die heute noch in seiner Nachfolge in Kursen der Heribert-Losert-Akademie e. V. in der Prämonstratenser-Abtei Windberg im Bayerischen Wald angeboten werden.
Text von Dr. Evelyn Frick
Städtische Galerie Rosenheim, Depot.
„Schaukel“ Inventarnummer 1319; Radierung, Aquatinta auf Papier; Signatur „H. Losert“ unten rechts; Druck/Auflage „E. A.“ unten links; Rückseite: „La Balançoire“; Heribert Losert, München 23, Siegfriedstr. 6, Allemagne; Papier Höhe 26,7 cm, Breite 27,3 cm; Druck Höhe 11,4 cm, Breite 15,7 cm; 1966 erworben.
„Schulkinder“ Inventarnummer 1320; Radierung, Aquatinta auf Papier; Signatur „H. Losert“ unten rechts; Druck/Auflage „E. A. 1/2“ unten links; Papier Höhe 27 cm, Breite 34 cm; Druck Höhe 14,3 cm, Breite 19,1 cm; 1966 erworben.
„Nächtliches Dorf“ Inventarnummer 1321; Radierung, Aquatinta auf Papier; Signatur „H. Losert“ unten rechts; Druck/Auflage „E. A. 1/8“ unten links; Papier Höhe 28 cm, Breite 33,8 cm; Druck Höhe 13,5 cm, Breite 23,2 cm; 1966 erworben.
„Südliche Landschaft“ Inventarnummer 1322; Radierung, Aquatinta auf Papier; Signatur „H. Losert“ unten rechts; Druck/Auflage „48/70“ unten links; Papier Höhe 25 cm, Breite 34 cm; Druck Höhe 11,7 cm, Breite 20,7 cm; 1966 erworben.
Literatur: Evelyn Frick: „Komm ein bisschen mit nach Italien“ – Leo von Welden und die Gruppe 51. Texte zur Ausstellung in der Städtischen Galerie Rosenheim 2010.
Ein herzliches Dankeschön an Frau Minny Beckmann, Reutlingen, Vorsitzende der Heribert-Losert-Akademie sowie Pater Petrus-Adrian Lerchenmüller und Frater Raphael Sperber von der Abtei Windberg, die mich an ihren Forschungen und Veranstaltungen zu Heribert Losert teilhaben lassen.



