Alfons Lachauer, Permanente Öffnung, 1986

Auf einem quadratischen Bildfeld wogen drei Formen, die durch ihre Umrisse an dicke Wolken erinnern. Allein, ihre kräftigen Farben irritieren. Vom unteren Bildrand erhebt sich ein intensives Mittelrot und stößt geradezu in ein warmes Sonnengelb. Schmale weiße Akzentstreifen bleiben dazwischen frei – ist das die „Permanente Öffnung“? Als Gegenbewegung dazu senkt sich vom oberen Bildrand ein fruchtiges Orange nach unten.
Die drei Farben und Formen wirken energiegeladen und dynamisch. Schwungvoll künden sie von einem Prozess des Entstehens und Werdens, in dem aus Rot und Gelb das Orange sich kreiert. Der weiße Bilduntergrund lässt die Farben strahlen. Farbe, das war schon immer das große Thema von Lachauer. So war sein Schritt weg von Formen, in denen man noch Dinge assoziieren konnte, hin zur konkreten Kunst nur folgerichtig.
Als Alfons Lachauer 1968 diesen Siebdruck entwarf, studierte der heute in Stephanskirchen Lebende an der Akademie der Bildenden Künste in München unter anderem bei Günter Fruhtrunk, einem prominenten Vertreter der abstrakten und konkreten Kunst in den frühen Jahren der Bonner Republik.
1968, das ist das Jahr der Studentenproteste, der Ermordung von Martin Luther King und Robert F. Kennedy, der Niederschlagung des Prager Frühlings und der IV. documenta in Kassel. Fruhtrunk ist hier ebenso vertreten wie Josef Albers, Josef Beuys, Günter Uecker und die erste Garde der US-amerikanischen Pop und Op Art.
Seither hat sich Alfons Lachauer einen hervorragenden Ruf in der internationalen Kunstszene erarbeitet. Seine langjährige Tätigkeit als Juror beim Kunstverein Rosenheim setzte Maßstäbe. Förderpreise und Stipendien wie die Aufenthalte in Venedig und Paris zollten seiner klaren Sicht der Dinge Anerkennung. In Rosenheim selbst ist es seit seiner letzten Ausstellung in der Städtischen Galerie, die nun auch schon genau 20 Jahre zurück liegt, still um den Vertreter der monochromen Malerei geworden. Wer seine Werke sehen und erleben möchte, kann dies an der Hochschule im mittelfränkischen Ansbach, am IT-Zentrum der Universität Passau oder auch in München tun. Hier gestaltete Lachauer 1995 das Farbkonzept für den U-Bahnhof Wettersteinplatz in Untergiesing in den beiden Komplementärfarben rot und grün.
Aktuell zeigt das Lechner-Museum in Ingolstadt bis zum 17. März 2013 „Farben über dem Meer“ von Alfons Lachauer in Korrespondenz zu den dunklen Stahlskulpturen von Alf Lechner.


Text von Dr. Evelyn Frick


Städtische Galerie Rosenheim, Depot. Inventarnummer 1347; Serigraphie 5/8 auf Papier; Signatur „Alfons Lachauer 68“ rechts unten; Bildfeld Höhe 35 cm, Breite 35 cm; Papier Höhe 55 cm, Breite 55 cm; Erwerb 1969 für 35 DM.

Literatur: Ausstellungskatalog (AK) Alfons Lachauer: Malerei. Städtische Galerie Rosenheim 1993. AK Alfons Lachauer, Walter Storms Galerie München 1998. AK Alfons Lachauer, Museum St. Wendel 1999. AK Alfons Lachauer: Eröffnung des Maximiliansforums München. Walter Storms in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der LH München, München 2000. Norbert Schulz, Hanne Weskott: Alfons Lachauer: Kunst in der Tiefgarage. Starnberg, München 2002. Christiane Clemm: Barockrosa und Lagunengrün, Bilder von Alfons Lachauer im Rathaus Stephanskirchen, OVB vom 28.03.2007.

Lachauer Permanente Öffnung 1968, zuschnitt

Lachauer Permanente Öffnung 1968, zuschnitt