Alles Schnuttenbach!

Des Künstlers erste Wahl

Die Städtische Galerie Rosenheim zeigt eine exklusive Werkauswahl des Künstlers Hans Müller-Schnuttenbach

Mit der Ausstellung „Alles Schnuttenbach!“ widmet sich die Städtische Galerie Rosenheim einem der bekanntesten regionalen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hans Müller (1889 – 1973), der sich später, nach dem Geburtsort seiner Mutter bei Günzburg, zusätzlich Schnuttenbach nannte, studierte Malerei an der Münchner Kunstgewerbeschule. Obwohl seine Arbeiten in der Tradition der Landschaftsmalerei der „Münchner Schule“ stehen, entwickelte er bereits früh seinen ganz eigenen Stil, der sich insbesondere in seinen „Temperabildern“ niederschlug. Im Zentrum seiner zumeist graphisch angelegten Arbeiten steht die Landschaft, zunächst seiner schwäbischen Wurzeln, später seiner Wahlheimat, dem Rosenheimer Land mit dem Samerberg. Obwohl Mitglied der Chiemgauer Künstlergruppe „Die Frauenwörther“ und des Rosenheimer Kunstvereins ist Müller-Schnuttenbach nicht den „Chiemseemalern“ zuzurechnen. Der See war für ihn ohne Bedeutung. Er konzentrierte sich vielmehr in seinen zeitlosen Bildern auf unbelebte Landschaften, die in ihren diversen Stimmungen den Wechsel der Jahreszeiten schildern. Seine besondere Vorliebe galt dem Winter, dem er in zahlreichen Bildern, zumeist mit kahlen Bäumen in verschneiter Landschaft ein künstlerisches Denkmal setzte.

Mit seinen Landschaftsdarstellungen, auch gerne als „Landschaftsstillleben“ bezeichnet, bediente der Künstler ein Genre, das Menschen aller Schichten und zu allen Zeiten bewegte. Dazu gehört auch, dass Schnuttenbach während des Nationalsozialismus bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (1937 bis 1944) im „Haus der Deutschen Kunst" in München ausstellte und starken Anklang fand.

Seine Werke sind eine Zeitreise an vergangene Orte, in eine unbeschädigte und unberührte Natur – womöglich auch in eine vermeintlich heile Welt.

Mit Rosenheim war Hans Müller-Schnuttenbach nicht nur durch Landschaft und Natur verbunden, sondern auch über einen ungewöhnlichen Leibrentenvertrag, der 1950 zwischen ihm und der Stadt geschlossen wurde. Darin garantierte die Stadt eine Unterkunft, medizinische Versorgung und Verpflegung auf Lebenszeit. Im Gegenzug übereignete der Maler der Stadt 400 seiner Werke; 62 davon wurden für Ausstellungszwecke unmittelbar an die Städtische Galerie Rosenheim übergeben und vom Künstler selbst als unverkäuflich klassifiziert. Nach seinem Tod gingen alle weiteren in seinem Besitz befindlichen Bilder an die Stadt Rosenheim – insgesamt über 1.300 Kunstwerke!

Die vom Künstler damals selbst zusammengestellte „erste Auswahl“ präsentiert nun die Städtische Galerie Rosenheim in der aktuellen Ausstellung. Ergänzt wird seine Auswahl durch weitere Arbeiten, die einen Einblick in das Schaffen des Künstlers von seiner Ausbildung bis in die letzten Lebensjahre gewähren. Entlang dieser Werke nähert sich die Schau dem Gesamtwerk des Künstlers sowie seiner Bedeutung für die Kunstregion Rosenheim, damals und heute.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Rahmenprogramm: Mythos Heimat? Einheit und Vielfalt

Eine Anmeldung zu allen Führungen und Veranstaltungen ist empfehlenswert unter +49 8031 / 365 1447 oder per E-Mail.

Sonntag, 17. November 2019, 14 Uhr (ausgebucht) und 15.30 Uhr (zusätzliche Führung)
Süßes Ende: Führung & Finissage mit Galerieleiterin Monika Hauser-Mair
Ausstellungseintritt zzgl. 3 € Führung

Während des gesamten Ausstellungszeitraums zeigen wir in unserem "KinoSaal 8" die Filmdokumentation

"Verborgen in Schnuttenbach" - ein Film von Thomas Gerhard Majewski - ausgezeichnet mit dem "Goldenen Herkules" des 26. Kasseler DokFilm Festivals 2009
Produktion & Regie: Thomas Majewski
Kamera & Schnitt: Olaf Saumer
116 Minuten, 2009

Hans Müller-Schnuttenbach zeigt das Rosenheimer und Schwäbische Land in seinen Kunstwerken als geliebte Heimat, gleichzeitig war der Künstler Zeit seines Lebens immer wieder auf der Suche nach Heimat. Davon inspiriert, widmet sich die Städtische Galerie Rosenheim im Rahmenprogramm zur Ausstellung der Frage „Mythos Heimat? Einheit und Vielfalt“. Was bedeutet Heimat heute für jemanden, der in Schnuttenbach lebt – dem Heimatort seiner Mutter, nach dem sich der Maler Hans Müller ab 1922 nannte?

Die Langzeitdokumentation „Verborgen in Schnuttenbach“ steht mit den dargestellten Zeitzeugen stellvertretend für viele deutsche Dörfer, ihre Einwohner, ihre Geschichte, den vertrauten Raum, die gewohnten Feste und wie die Süddeutsche Zeitung 2018 geschrieben hat, „das Paradies der Erinnerung…... Heimat ist eine Landschaft. Dann aber ist Heimat der Ort, den man verlassen muss, um in der Welt etwas zu werden, der Ort von Abschied und vielleicht Heimkehr.“

Der Regisseur Thomas Majewski erinnert, schont sich nicht und schont den Betrachter nicht. Er nimmt uns mit in den Ort seiner Kindheit, das 700 Seelendorf Schnuttenbach in Bayern: Welche besondere Geschichte in „Verborgen in Schnuttenbach“ liegt, unterscheidet sich von vielem, was man über Konfrontationen im Zweiten Weltkrieg zu wissen glaubt. Die Zuschauer werden Zeugen der zweiten Begegnung zwischen der Dorfbevölkerung Schnuttenbachs und den damals im Ort internierten Zwangsarbeitern. Diese Menschen sind die letzte Generation der Zeitzeugen des Nationalsozialismus.

Der Film erzählt von der Möglichkeit der Freundschaft zwischen „Feinden“, von einer Normalität und Menschlichkeit im Umgang, die man in dieser Zeit des Ausnahmezustands und der Unsicherheit nicht vermutet hätte. Es bleiben einmalige Eindrücke einer politisch und gesellschaftlichen Vergangenheit zurück, die bis heute nachwirkt.

Der Film kann als DVD an der Galeriekasse erworben werden.

 

 

Hans Müller-Schnuttenbach, Max-Josefs-Platz in Rosenheim im Winter, o. J., Foto © Martin Weiand

Hans Müller-Schnuttenbach, Max-Josefs-Platz in Rosenheim im Winter, o. J., Foto © Martin Weiand