Mit dem Einzug der Videokassette in Ghana in den 1980er Jahren entwickelte sich im Land eine neue Form der Filmrezeption. Waren Filmvorführungen bis dahin maßgeblich an die großen Kinohäuser in den urbanen Zentren wie Accra und Kumasi gebunden, etablierten sich nun auch in den ärmeren Vorstädten einfach eingerichtete Kinoräume, in denen die Filme über den Videorekorder auf Fernsehgeräten abgespielt wurden. Mobile Filmvorführer reisten mit Fernseher und Videorekorder im Gepäck in die ländlichen Gegenden Ghanas und boten der Bevölkerung vor Ort ein niederschwelliges Kinoerlebnis.
Um das Publikum anzulocken, ließen die Kinobetreiber große, farbintensive Plakate von Hand malen. Diese besondere Form der Kinowerbung knüpfte an die Tradition der Werbemalerei sowie Konzert- und Theaterankündigungen in westafrikanischen Ländern an; bis heute prägen übergroße Werbeschilder etwa für Friseure, Imbisse und Shops, nun zumeist gedruckt und nicht mehr gemalt, das Straßenbild der Städte. Gleichzeitig kommt den handgemalten Filmplakaten, die zwischen den 1980er Jahren bis in die 2000er Jahre produziert wurden, eine besondere Bedeutung zu, denn die Praxis der handgemalten Filmplakate entwickelte sich nur in Ghana.
In einer eigenen, oftmals drastischen Bildsprache ließen die Plakatmaler in ihren Kreationen lokale Mythen, Vorstellungen von Magie und christliche Dogmen mit der Werbesprache aus Hollywood, Bollywood und Hong Kong verschmelzen. Der Kampf Gut gegen Böse, gegen dunkle Mächte, zwischen christliche Werten und unmoralische Verlockungen spielen eine zentrale Rolle in den Plakaten. Dabei fielen die plakativen Visualisierungen oftmals drastischer aus als der eigentliche Filminhalt – „big promises“ und die Kunst der Übertreibung als wesentliche Strategien der Aufmerksamkeitsökonomie.
Eine Reduktion der Plakate auf schrille Bilder, Horror und Exotismus greift jedoch bei Weitem zu kurz. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie präsentiert die Plakate ausgehend von ihrem spezifischen Entstehungskontext als kunstvolle Kommunikationsform und als einzigartiges Kulturgut, das als Ausdruck einer eigenständigen, lokal verankerten Populärkultur und zugleich als Produkt einer globalisierten Welt und deren vielschichtigen Vernetzungen gesehen werden kann. Über 100 handgemalte Filmplakate aus den 1990er bis in die 2010er Jahren werden gezeigt. Alle Plakate stammen aus der Sammlung des Rosenheimers Dr. Wolfgang Stäbler, eine der weltweit größten Sammlungen ghanaischer Filmplakate.

