Chiemsee. Künstler. Leben - Blick in die Ausstellung

Eine kleine Wanderung durch die Ausstellungsräume der Ausstellung "Chiemsee. Künstler. Leben"

Das Wasser bleibt im Bayerischen Meer. Doch die Planken an den Stegen, die Wirtsstube im ehrwürdigen „Hotel Linde“ auf der Fraueninsel, ein Einbaum, alte Farbpaletten und ein Sonnenschirm, die Fischerstandarte und Schiffsmodelle ziehen in die Städtische Galerie ein. Genauso wie die Werke der Chiemseemaler von Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. „CHIEMSEE.KÜNSTLER.LEBEN….und immerfort die Sehnsucht“ heißt die Erlebnisausstellung in der Städtischen Galerie Rosenheim, die ab dem 24. Juli die Ausstellungsräume mit dem Flair des Künstlerlebens am Chiemsee verzaubert und die Besucher hautnah das künstlerische Schaffen in einer schönsten Landschaften Bayerns nacherleben lässt.

„Konnte ich unter schöneren Zeichen zum ersten Male mich dem Orte nähern, wo meine ganze Zukunft schlief?“ fragte Maximilian Haushofer im Jahr 1828 und drückte damit aus, was viele Künstler nach ihm fühlten: dass die Landschaft und der See nicht nur Dichter und Denker, sondern besonders auch Maler in ihren Bann ziehen können. Waren es zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst die Landschaftsmaler, so fanden später auch Schriftsteller, Musiker und Gelehrte den See als Quelle für Inspiration und Erholung. Die Künstler schufen über 150 Jahre hinweg beeindruckende Zeugnisse des Lebens rund um den See: sie bannten die Fischerhäuser auf Frauenchiemsee, Regenbogen und Gewitter am See, Gärten, Beerdigungen, unvergessliche Ausblicke von den umliegenden Hügeln, Adelige und Klosterschwestern, die Fischer und Boote auf Leinwand oder Papier. In Zeiten größter Not sogar auf beiden Seiten der Leinwand oder des Aquarellpapiers.

Wer in der Ausstellung eine simple Anreihung der bedeutenden Werke herausragender Maler wie Leo Putz, Maximilian Haushofer, Heinrich Bürkel oder Franz von Stuck erwartet, wird überrascht.  Mit Inszenierungen, Originalexponaten aus dem Alltagsleben und seltenen Dokumenten führt die Ausstellung in neun Räumen durch die Epochen des künstlerischen Schaffens am Chiemsee. Kurator Franz Gailer stellte dafür die Werke aus privaten und öffentlichen Sammlungen zusammen.

Die Ursprünge finden sich Ende des 18. Jahrhunderts mit Johann Georg von Dillis, der 1792 den Blick von der Ludwigshöhe oberhalb von Rimsting über den Chiemsee auf einem Aquarell festhielt. Julius Köckert ließ sich von einer Hochzeitsfahrt inspirieren, Moritz Müller von einer Bauernhochzeit am See. Die erste Reise von Künstlern an den Chiemsee war der Beginn einer künstlerischen Entwicklung, die Generationen von Malern prägte. Beliebter Treffpunkt war der Stammtisch im Hotel Linde auf der Fraueninsel, wo Wirtin Julie für die angemessene Bewirtung sorgte. Auf einem Foto aus der damaligen Zeit, in fast originalgetreuer Größe, schaut sie den Besuchern in der Städtischen Galerie entgegen. Davor ist der Stammtisch nachgebaut, Schiffsmodelle von der Chiemsee-Schifffahrt bringen Seemanns-Atmosphäre vom Bayerischen Meer in die Ausstellungsräume. Wie die Maler an den Chiemsee reisten, erleben die Besucher im Sitzen: auf dem Boden und an Wänden sind eine Zeittafel und die Wanderroute zwischen München und dem Chiemsee festgehalten.

Die aufwändige Inszenierung und die Mischung aus Gemälden, Grafiken, alten Fotos, Briefen und Zitaten von Künstlern setzen sich bis in den letzten Ausstellungsraum fort. Der Nachbau eines Chiemsee-Einbaums und die Fischerstandarte veranschaulichen die Zeit der  so genannten „Inselkönige“ Karl Raupp und Josef Wopfner von 1872 – 1920, ein Privatfilm von Betty Feßler, der bisher noch nie zu sehen war, zeigt die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, in der Sommerfrischler von den Malern, die Maler von den Sommerfrischlern genervt waren, und in der die Dampfschifffahrt den Beginn des Tourismus prägte.

Monumental ist das Gemälde „Begräbnis einer Klosterschwester“ aus dem Jahr 1891, eine Leihgabe des Mittelrhein-Museums  in Koblenz. Auf einer Breite von fast vier Metern und einer Höhe von fast zwei Metern hielt Koch die Beerdigung in Öl auf Leinwand fest.

Ein abgedunkelter, karg ausgestatteter Raum widmet sich der Chiemsee-Malerei in der Zeit von 1933-1945. Eine Aufzeichnung des Wasserburger Malers Willi Geiger schildert die für Künstler bedrohliche Situation in der zeit des Nationalsozialismus.

Es ist nicht nur die umfassende Schau wertvoller Gemälde und Grafiken, die diese Erlebnisausstellung auszeichnen. Unter den Leihgebern finden sich viele prominente Namen: so etwa die Staatliche Graphische Sammlung München, die Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und die Bayerische Staatsgemäldesammlungen. Das meiste aber stammt aus Privatbesitz und ist sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Saal 1

Saal 1

Saal 1 mit Blick in Saal 2

Saal 1 mit Blick in Saal 2

Saal 1

Saal 1

Saal 2

Saal 2

Saal 3

Saal 3

Saal 5

Saal 5

Saal 7

Saal 7

Saal 9

Saal 9

Saal 9

Saal 9