Susanne Wackerbauer, aus dem Zyklus "ich baue mir ein Haus", 2003

Nur wer sich wirklich auf die Suche macht, entdeckt die sechs Tafeln von Susanne Wackerbauer im Dachgeschoß der Stadtbibliothek Rosenheim. Susanne Breitung,
die im Hause zuständig ist für Ausstellungen und Kunst, schätzt das Werk der jungen Konzeptkünstlerin sehr. Grund genug, sich einmal in der Reihe "Kunst aus
dem Depot" mit etwas zu beschäftigen, das nicht im dunklen Keller weggesperrt, sondern allgemein öffentlich zugänglich ist.

Auf insgesamt 13 orangefarbenen Kunststofftafeln thematisiert Susanne Wackerbauer in ihrem Zyklus "ich baue mir ein haus" die Bedeutung des Hauses, der Behausung für den Menschen. In einer Kombination aus einer sehr verknappten Bildchiffre in kräftig bunter Farbe und einer Textzeile werden Assoziationen und Emotionen geweckt, ironische Brechungen vollzogen und
eingefahrene Ansichten hinterfragt. 2003 konnte die Absolventin der Akademie der bildenden Künste in München als Debütantin den Zyklus bei der GEDOK, dem
Verband für Künstlerinnen, im Werkstattstudio der Lothringer13 in München-Haidhausen zeigen und im Jahr darauf beim Kunstverein Rosenheim vorstellen.
Doch lassen wir die engagierte Künstlerin selbst zu Wort kommen:

"Meine Beschäftigungsgrundlage war damals mich mit dem Thema Haus bauen/Nest bauen zu beschäftigen, weil wir ein kleines Haus bauen wollten und das den Ausdruck in die Kunst brauchte. Letztlich war es auch eine Beschäftigung mit meiner Herkunft, da, aufgewachsen in einer Reihenhaus Siedlung in Mühldorf, mein junges Erwachsenenleben nicht nach dieser Art von Idylle strebte, lange sogar negierte. Mit Mitte Dreissig kamen eben andere Aspekte in mein Leben, wie die Frage der Familiengründung, die Frage nach der Abhängigkeit von fremden Eigentum, und wir, mein Mann und ich, haben die Chance ergriffen, uns unsere Art des Wohnens zu verwirklichen, quasi ein Wohnen mit Kündigungsschutz
und Honoration der handwerklichen Eigenleistung. Die Auseinandersetzung mit dem Raum an sich, seiner gesellschaftlichen und gutbürgerlichen Konnotation,
meinen zugrundeliegenden Erfahrungswerten, dem eigenen Schutzbedürfnis, der Hülle, dem menschlichen Streben nach einem Raum, nach einem rechten
Winkel, der Frage von oben und unten, all das beschäftigte mich sehr und fand Ausdruck in mehreren Kunstwerken und Texten. Wunderbarer Weise fiel mir das
Buch "Poetik des Raumes" von Gaston Bachelard in die Hände, aus dem einiges entlehnt ist, vor allem viel Inspiration stammt. "das haus ist eine sammlung von bildern, die dem menschen eine stabilität beweisen oder vortäuschen" ist ein Zitat aus diesem Buch. Die Verbildlichung war ein weitere Schritt. Da spielten meine Erfahrungen mit angewandter Grafik und Logoentwurf eine Rolle.

Die orangen Trägerplatten, Kunststoff, stammen ursprünglich von einer Münchner Firma, die diese zu Herstellung von kleinen Behältern (Tiefziehverfahren) benötigte. Was perfekt zum Thema Raum, Schutz, Hülle passte. Klebefolie war das schlüssige Material und in der Farbigkeit passend zu dem Trägermaterial und dem 70er Jahre Orange." (Susanne Wackerbauer in einer E-Mail am 20. März 2014)

Susanne Wackerbauer ließ sich bei diesem Zyklus von dem französischen Philosophen Gaston Bachelard (1884-1962) anregen, der in seiner "Poetik des Raumes" nach positiv besetzten inneren Bildern des Behaust-Seins suchte, die alle Menschen in sich tragen und die sich weltweit in verschiedenen Sprachen und Zeiten in der Dichtung manifestieren.

Susanne Wackerbauer lebt und arbeitet in München, wo sie an der Fachoberschule u. a. Gestaltung unterrichtet. Kunstvermittlung ist ihr überhaupt sehr wichtig und so betreut die ausgebildete Wildnispädagogin als Naturmentorin und Naturcoach das kreative Werken mit
Kindern in der Natur.

Dr. Evelyn Frick

Städtische Galerie Rosenheim, Depot. Inventarnummer 3500; Kunststoffplatte und Klebefolie; Höhe 47,5 cm, Breite 41,5 cm; Erwerb 2004 aus der Ausstellung "Alltag" im Kunstverein Rosenheim in der Kunstmühle mit jungen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region; Auftaktveranstaltung zu "100 Jahre Kunstverein Rosenheim e. V.". Die Stadt Rosenheim erwarb sechs der insgesamt 13 Tafeln. Als Dauerleihgabe in der Stadtbibliothek Rosenheim, Am Salzstadel
15.
Literatur: Ausstellungskatalog Susanne Wackerbauer "intimate spaces", GEDOK München 2003. Ausstellungskatalog "körper? der andere blick auf ein altes thema" GEDOK

Susanne Wackerlbauer

Susanne Wackerlbauer